Hintergrund Mazedonien-Konflikt
Hamburg - In der seit zehn Jahren unabhängigen Republik Mazedonien stellen die slawischen Mazedonier mit offiziell 66 Prozent der Bevölkerung eine deutliche Mehrheit. Doch die Anteile sind umstritten. Albanische Parteien sagen, in Wirklichkeit seien unter den gut zwei Millionen Einwohnern mehr als 23 Prozent Albaner, wie sie beim letzten Zensus 1994 amtlich registriert wurden. Außerdem leben in dem Balkan-Staat kleinere Gruppen Sinti und Roma, Serben und Wallachen. Die Mehrheit gehört der mazedonisch-orthodoxen Kirche an. Die Albaner sind überwiegend Moslems.
Die Volksgruppen sind ungleich im Land verteilt und haben Hochburgen. So sind der Westen und der Nordwesten mehrheitlich albanisch besiedelt, in den anderen Gebieten überwiegen slawische Mazedonier. Auch die Hauptstadt Skopje mit ihren etwa 600.000 Einwohnern erscheint mit ihrem albanischen Norden und dem von Mazedoniern bewohnten Zentrum ethnisch geteilt.
Tetovo im Nordwesten ist die heimliche Hauptstadt der Albaner in dem Balkanstaat. Die Albaner selbst sagen, sie stellten dort 90 Prozent der Bevölkerung. Die Mazedonier sprechen von einem Bevölkerungsverhältnis von 75 Prozent Albanern und 25 Prozent Mazedoniern in Stadt und Umland. Tetovo ist Handelszentrum und kultureller Mittelpunkt - und mögliches Zentrum eines vom Gesamtstaat abdriftenden Albaner-Gebietes.
Der Konflikt zwischen albanischen Rebellen im Norden des Landes und Sicherheitskräften hat viele Bürger der Krisenrepublik zum Verlassen ihrer Dörfer gezwungen. Nach Angaben des Uno-Flüchtlingswerks UNHCR von Ende Juli suchten etwa 160.000 Zuflucht aus den Kampfgebieten im In- und Ausland. Während albanischstämmige Bewohner zu Zehntausenden vor allem ins Kosovo flüchteten, suchten slawische Mazedonier Schutz im eigenen Land.