Historischer Auftritt: Obama in Hiroshima
Obamas Rede in Auszügen "Die Erinnerung darf niemals verblassen"
"Wir sind gekommen, um die Toten zu betrauern - einschließlich mehr als 100.000 japanische Männer, Frauen und Kinder, Tausende Koreaner, ein paar Dutzend Amerikaner, die gefangen gehalten wurden. Ihre Seelen sprechen zu uns. Sie fordern uns auf, nach innen zu schauen, zu überlegen, wer wir sind und was aus uns werden kann. (...)
In dem Bild der aufsteigenden pilzförmigen Wolke, die in den Himmel über dieser Stadt aufstieg, werden wir auf höchst krasse Weise an die Widersprüche der Menschheit erinnert. (...)
Technologischer Fortschritt ohne gleichzeitige Fortschritte in menschlichen Institutionen können uns zum Verhängnis werden. Die wissenschaftliche Revolution, die zur Spaltung eines Atoms führte, erfordert auch eine moralische Revolution. (...)
Wir haben eine gemeinsame Verantwortung, um direkt in das Auge der Geschichte zu blicken und uns zu fragen, was wir anderes tun müssen, um ein solches Leid in der Zukunft zu verhindern. (...)
Die Erinnerung an den Morgen des 6. August 1945 darf niemals verblassen. Diese Erinnerung erlaubt uns, gegen Selbstgefälligkeit vorzugehen, sie treibt unsere moralische Vorstellung an und macht es möglich, dass wir uns ändern. Seit diesem schicksalhaften Tag haben wir Entscheidungen getroffen, die uns Hoffnung geben. Die USA und Japan haben nicht nur eine Allianz geschmiedet, sondern auch eine Freundschaft. (...)
Wir können die Fähigkeit der Menschen, Böses zu tun, nicht beseitigen. Deswegen müssen Länder und die Allianzen, die wir geformt haben, die Mittel haben, um sich zu verteidigen. Aber unter solchen Ländern wie meinem, die atomare Arsenale haben, müssen wir den Mut haben, der Logik der Angst zu entkommen und eine Welt ohne sie zu verfolgen. Wir mögen dieses Ziel in meiner Lebenszeit nicht erreichen. Aber mit dauerhaften Anstrengungen können wir die Möglichkeit einer Katastrophe verhindern. Wir können einen Kurs entwerfen, der zu der Zerstörung dieser Arsenale führt. Wir können die Weiterverbreitung an neue Länder stoppen und tödliches Material vor Fanatikern sichern. Und doch reicht das nicht. (...)
Wir müssen unsere Denkweise über den Krieg selbst ändern, um Konflikte durch Diplomatie zu verhindern. (...)
Wir können lernen. Wir können wählen. Wir können unseren Kindern eine andere Geschichte erzählen, die eine gemeinsame Menschheit beschreibt, was Krieg weniger wahrscheinlich und Brutalität weniger leicht akzeptabel macht. (...)
Jene, die gestorben sind, waren wie wir. Gewöhnliche Menschen verstehen das, wie ich glaube. Sie wollen keinen Krieg mehr. Ihnen wäre es lieber, wenn die Wunder der Wissenschaft darauf abzielen, das Leben zu verbessern, anstatt es zu beseitigen. Wenn die Entscheidungen, die Nationen treffen, und die Entscheidungen, die führende Politiker treffen, diese einfachen Wahrheiten widerspiegeln, dann wurden die Lehren von Hiroshima gezogen. Die Welt hat sich hier für immer verändert. (...)
Es gibt eine Zukunft, die wir uns aussuchen können. Eine Zukunft, in der Hiroshima und Nagasaki nicht für den Beginn der atomaren Kriegsführung bekannt sind, sondern für den Anfang unseres moralischen Erwachens."
Video: Atombombenabwurf auf Hiroshima