Historischer Urnengang Großer Andrang bei ägyptischer Parlamentswahl
Schlange vor einem Wahllokal in Kairo: Historische Abstimmung in Ägypten
Foto: GORAN TOMASEVIC/ REUTERSKairo - Das Militär ist präsent, auch die Polizei sichert Ägyptens Wahllokale: In dem nordafrikanischen Land haben am Montag die ersten freien Wahlen begonnen, vor etlichen Abstimmungslokalen bildeten sich lange Warteschlangen.
Beobachter meldeten, in einigen Wahlbezirken habe die Wahl nicht pünktlich begonnen, weil die Richter, die dort Aufsicht führen sollten, nicht rechtzeitig erschienen. Vielerorts verstießen Parteimitglieder gegen das Verbot, vor den Wahllokalen für ihre Kandidaten zu werben. Vor allem Anhänger der islamistischen Partei der Freiheit und Gerechtigkeit verteilten Flugblätter.
In Ägypten war die Wahlbeteiligung in der Ära des jahrzehntelangen Machthabers Husni Mubarak immer sehr niedrig gewesen. Bei der letzten Parlamentswahl 2010 hatte sie offiziell bei 35 Prozent gelegen. Beobachter hatten jedoch damals vermutet, dass diese Zahl noch geschönt war.
Im vornehmen Kairoer Stadtviertel Samalek warteten 500 Wähler vor einem Wahllokal in einer Schule, darunter eine 45-jährige Frau mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter. "Ich habe nie gewählt, weil ich nicht sicher war, ob es echt ist", sagte sie. "Dieses Mal hoffe ich, dass es das ist, aber ich bin nicht optimistisch. Das Wichtigste ist, ein liberales und zivilisiertes Land zu haben, keine Fanatiker", erklärte sie unter Verweis auf die Islamisten. Bei der Wahl wird ein Erfolg der Muslimbrüder und anderer islamistischer Parteien erwartet.
Zuerst sollen die Bewohner von Kairo, Alexandria und sieben weiteren Provinzen ihre Stimmen abgeben. Dafür haben sie Zeit bis Dienstagabend. Im Dezember und Januar folgen dann die anderen 18 Provinzen. Nach jedem Wahlgang ist eine Stichwahl in den Bezirken vorgesehen, in denen kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht hat. Das vollständige Wahlergebnis soll am 13. Januar bekanntgegeben werden.
Der Wahlkampf war von Protesten gegen das herrschende Militär und von Gewalt gegen Demonstranten überschattet. Mehr als 40 Menschen sind seit Beginn der jüngsten Unruhen am 19. November ums Leben gekommen.