Hurrikan - DER SPIEGEL
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Finale im US-Wahlkampf "Sandy" wirbelt durch Obamas Terminplan

Präsident Obama lässt Auftritte platzen, beugt sich konzentriert über Wetterkarten. Auch Herausforderer Romney muss seinen Terminkalender umbauen: Hurrikan "Sandy" hat das Wahlkampffinale in den USA durcheinandergewirbelt. Im schlimmsten Fall könnte sogar die Abstimmung gefährdet sein.
Präsident Obama im Lagezentrum in Washington: Aufregung wegen Sturm "Sandy"
Präsident Obama im Lagezentrum in Washington: Aufregung wegen Sturm "Sandy"

Präsident Obama im Lagezentrum in Washington: Aufregung wegen Sturm "Sandy"

Foto: Jonathan Ernst / REUTERS
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Washington - Seit Monaten geht es um TV-Debatten, Millionenbudgets und peinliche Video-Leaks - doch nun bestimmen die Wetterkapriolen die letzte Runde im Kampf um das Weiße Haus. Neun Tage vor der Abstimmung gefährdet der befürchtete Jahrhundertsturm "Sandy" an der Ostküste die Terminplanung von Präsident Barack Obama und Konkurrent Mitt Romney. Beide sagten wichtige Auftritte ab.

Es gibt Prognosen, wonach der Sturm zu weit verbreiteten Stromausfällen führen wird, die bis zum Wahltag am 6. November auch die Stimmabgabe beeinträchtigen könnten. Dies gilt besonders für die frühzeitige Stimmabgabe, bei der gewöhnlich vor allem die Demokraten ihre Anhänger mobilisieren. Vor vier Jahren hatte Obama beim "early voting" klar vor dem damaligen republikanischen Kandidaten McCain gelegen. "Wir wollen natürlich ungehinderten Zugang zu den Wahllokalen, denn wir glauben, je mehr Leute teilnehmen, desto besser werden wir abschneiden", sagte Obamas Topberater David Axelrod am Sonntag im Nachrichtensender CNN

Präsident Obama ließ sich am Sonntag bei einem Briefing der Nationalen Katastrophenbehörde Fema fotografieren. Wie sein Sprecher Jay Carney sagte, griff Obama auch zum Hörer, um mit den Gouverneuren und Bürgermeistern der betroffenen Staaten und Städte über die drohende Unwetterkatastrophe zu reden. "Alles, was sie brauchen, werden sie bekommen", sagte Obama. "Wir wollen sicherstellen, dass wir den Ereignissen möglichst vorgreifen und bereit sind."

Für den Amtsinhaber birgt das Unwetter ein großes Risiko: Obama will vor der Wahl in anderthalb Wochen unbedingt ein Desaster wie nach Hurrikan "Kathrina" vermeiden. Damals geriet Ex-Präsident George W. Bush heftig wegen der unkoordinierten Hilfe der Regierung massiv in die Kritik.

Mehr als 1800 Menschen kamen ums Leben, als der Hurrikan "Katrina" im August 2005 die Golfküste der USA heimsuchte. Die Wucht des Sturms ließ die schlecht gebauten Dämme um New Orleans brechen, die Südstaaten-Metropole versank in den Fluten. Zehntausende Menschen verbrachten Tage ohne Lebensmittel und frisches Wasser auf Dächern und in chaotisch organisierten Notunterkünften. Das miserable Krisenmanagement fiel auf Bush zurück, dessen Ansehen wegen der zögerlichen Reaktion auf die Katastrophe abstürzte.

Entsprechend präsentiert sich Obama im Vorfeld des Sturms als "Macher": Der Präsident sagte zwei Wahlkampfauftritte ab. Wegen des Wirbelsturmes konnte er einen Termin mit Ex-Präsident Bill Clinton am Montag im US-Bundesstaat Virginia nicht wahrnehmen. Er wolle lieber im Weißen Haus sein, um die Sturmfolgen und Koordinierung der Hilfsmaßnahmen intensiv zu verfolgen, teilte sein Sprecher Carney mit. Einen Stopp am Dienstag in Colorado strich Obama ebenfalls aus dem Programm. Seinen Besuch in Florida zog er einen Tag vor, um am Montagabend schneller als "Sandy" wieder in Washington zu sein.

Romney will für Sturmopfer beten

Auch der republikanische Herausforderer Romney hatte seine Wahlkampfpläne sturmbedingt ändern müssen. Anstatt - wie geplant - nach Virginia, reiste er am Samstag nach Ohio, um dort an der Seite seines Vizekandidaten Paul Ryan um Wähler zu werben. "Lasst uns heute, wenn wir nach Hause kommen, all die Menschen an der Ostküste in unsere Gebete einschließen, die von dem Sturm bedroht sind", appellierte Ryan dort bei einem Auftritt in der Stadt Celina.

In der Nacht zum Dienstag soll "Sandy" den Vorhersagen zufolge zwischen den Bundesstaaten New Jersey und Delaware auf Land treffen. Meteorologen beunruhigte vor allem, dass sich der Hurrikan nach seinem tödlichen Zug durch die Karibik mit einer Kaltfront zu einem besonders schweren Unwetter vereinigen dürfte. Die US-Medien verpassten dem Sturm den Namen "Frankenstorm", eine Anspielung auf das Frankenstein-Monster kurz vor dem Gruselfest Halloween.

jok/dpa/AFP/dapd