IAEA Große Sorgen wegen Irans Atomprogramm
Wien/Teheran - Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA zeigt sich "sehr besorgt". Ein neuer Iran-Bericht der Uno-Behörde zeigt, dass die Zusammenarbeit nach wie vor lückenhaft ist. Es gebe vor allem ernste Bedenken wegen angeblicher Studien der Iraner zu Waffenprogrammen, heißt es in dem Papier. Auch wenn Iran andererseits viele Fragen zu seinem Nuklearprogramm beantwortet habe, teilte die IAEA heute in Wien mit.
Vor der Weitergabe des Berichts an die Mitgliedstaaten des IAEA- Gouverneursrats hatte der Uno-Sicherheitsrat in New York über schärfere Strafen gegen Iran debattiert. Großbritannien und Frankreich hatten am Donnerstag einen entsprechenden Resolutionsentwurf in des Gremium eingebracht, den auch Deutschland unterstützt.
Der iranische Atom-Chefunterhändler Said Dschalili sagte unterdessen in Teheran, der jüngste IAEA-Bericht zeige eindeutig, dass das iranische Atomprogramm allein friedlichen Zwecken diene. Der Westen fürchtet, dass Teheran unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an der Entwicklung von Atomwaffen arbeitet und hat das Land zum Verzicht auf die Urananreicherung aufgefordert.
Da Teheran dies immer ablehnt, soll der Druck auf das Land nun mit verschärften Sanktionen wie weiteren Handelsbeschränkungen und einem Reiseverbot für Atomwissenschaftler erhöht werden. Außerdem sollen die Aktivitäten iranischer Banken stärker beobachtet und weitere Guthaben eingefroren werden. Auch der neue IAEA-Bericht bestätigt, dass Iran weiterhin Uran anreichert und dafür mit der Entwicklung von einer neuen Generation von Gaszentrifugen begonnen hat.
Nach Einschätzung der Atombehörde beziehen sich die offenen Fragen zum iranischen Atomprogramm hauptsächlich auf angebliche Studien zu einem Waffenprojekt. Aus Expertensicht können diese Studien eine Vorstufe zu der Herstellung von Atomwaffen sein. Nach Angaben von IAEA-Chef Mohammed al-Baradei fanden die Inspektoren keinen Hinweis darauf. Dennoch sieht die IAEA in den Studien einen Grund zu großer Sorge, sie seien kritisch für die Beurteilung einer möglichen militärischen Dimension von Irans Atomprogramm: "Die Behörde ist noch nicht in der Lage, die wahre Natur des iranischen Atomprogramms zu beurteilen."
Das mutmaßliche Waffenprogramm Irans soll Tests mit hochexplosiven Stoffen sowie atomwaffenfähigen Raketen beinhalten. Auch von der Umwandlung von Urandioxid (UF2) in Urantetrafluorid (UF4) ist die Rede. UF4, auch "green salt" ("grünes Salz") genannt, wird bei der Herstellung von Uranhexafluorid eingesetzt - jener Substanz, die für die Anreicherung von Uran und damit zur Produktion eines nuklearen Sprengstoffs verwendet wird (siehe Infokasten).
"Dies ist ein Grund ernsthafter Sorge und von zentraler Bedeutung für die Beurteilung, ob das iranische Atomprogramm eine militärische Dimension besitzt", heißt es auf der letzten Seite des zehnseitigen IAEA-Papiers.
Teheran streitet die Anschuldigungen ab und hält die Studien für gefälscht.
Uran und Atomwaffen
ler/mbe/dpa