Imageprobleme Bush, der "fehlunterschätzte" Cowboy
Washington - Seit seinem Amtsantritt hat US-Präsident George W. Bush mit Zweifeln an seiner politischen Kompetenz zu kämpfen. Bei Demokraten wie Europäern wird Bush den Ruf des grobschlächtigen texanischen Cowboys nicht los, dem es insbesondere auf dem diplomatischen Parkett an Geschick, Erfahrung, Intellekt und rhetorischen Fähigkeiten fehlt. Auf seiner bevorstehenden Europareise will der Präsident sein ramponiertes Image endlich aufpolieren.
Nach Ansicht von Beobachtern könnten wichtige Siege bei den Vereinten Nationen sowie im Washingtoner Kongress Bush den Rücken stärken, wenn er erstmals seit dem Ende des Irak-Kriegs nach Europa reist. Am Donnerstag gewann er ohne Gegenstimme die Zustimmung des Sicherheitsrats für eine Resolution zum Wiederaufbau des Irak. Einen Tag später beschloss der Kongress von ihm beantragte Steuersenkungen. "Bush ist während seiner gesamten Karriere unterschätzt worden", sagte der republikanische Parteistratege Scout Reed. Auch der Präsident selbst fühlt sich nach eigenen Worten "fehlunterschätzt".
Bushs Umfragewerte sind nach wie vor hoch. Selbst Demokraten räumten ein, dass er - trotz deutlicher Kürzungen bei seinem Steuerprogramm - eine äußerst erfolgreiche Woche hinter sich hat. Der Kongress stimmt nur einer Steuerentlastung in Höhe von 350 Milliarden Dollar (rund 297 Milliarden Euro) zu, nachdem der Präsident ursprünglich eine Senkung um 726 Milliarden Dollar beantragt hatte. Bush verbuchte das Ergebnis dennoch als Erfolg.
"Fähigkeit, Niederlagen in Triumphe zu verwandeln"
Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Ross Baker verfügt Bush über die Fähigkeit, "eine klare Niederlage in einen großartigen Triumph zu verwandeln". Auf diese Weise sei es ihm in den vergangenen Wochen gelungen, sein Image im Ausland zu verbessern. "Vielleicht wird er in Europa immer noch als Cowboy angesehen", sagte der Forscher an der Rutgers University in Newark. "Aber er wird auch als ziemlich scharfer Schütze gesehen."
Bush reist zunächst nach Polen und Russland, bevor er auf dem G-8-Gipfel im französischen Evian am kommenden Wochenende auf die schärfsten Kriegsgegner treffen wird: Bundeskanzler Gerhard Schröder, den französischen Präsidenten Jacques Chirac, den russischen Staatschef Wladimir Putin sowie den kanadischen Ministerpräsidenten Jean Chrétien. Zugleich werden mit dem britischen Premierminister Tony Blair, dem japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi und seinem italienischen Kollegen Silvio Berlusconi aber auch drei der wichtigsten US-Verbündeten erwartet.
Innenpolitisch konnte Bush in den vergangenen Wochen bereits einige weitere Siege verbuchen. Er brachte den Kongress hinter seine Initiative zur Bekämpfung von Aids und sammelte für seine Republikaner 22 Millionen Dollar für die Wahl im kommenden Jahr. Diese Erfolge haben nach Einschätzung von Analysten die Demokraten verunsichert. "Ich glaube nicht, dass sie ihn immer noch unterschätzen", sagte Norman Ornstein vom American Enterprise Institute in Washington. "Sie wissen jetzt, woran sie sind. Sie haben nur noch nicht herausgefunden, wie sie den Spieß wieder umdrehen können."
Tom Raum, AP