Indonesien: Präsident Wahid abgesetzt - DER SPIEGEL
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Indonesien Präsident Wahid abgesetzt

Nach nur 21 Monaten im Amt das Aus für den indonesischen Präsidenten Wahid. In einem dramatischen Machtkampf hat der indonesische Volkskongress Wahid abgesetzt und Vizepräsidentin Megawati als Nachfolgerin vereidigt.
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Jakarta - Die von Wahid verkündete Auflösung der Volksversammlung war vom Obersten Gericht zuvor für illegal erklärt worden. Mit der Ausrufung des Ausnahmezustandes hatte Wahid offenbar auch jeglichen Rückhalt in Armee und Polizei verloren. Der Polizeichef von Jakarta widersetzte sich der Anordnung Wahids und stellte Sicherheitskräfte zum Schutz der Volksversammlung ab.

Wahid steht unter dem Verdacht der Korruption. Außerdem wurde ihm eine chaotische Amtsführung vorgeworfen. Ob er nun mit Gewalt aus dem Präsidentenpalast geholt wird, blieb zunächst unklar. Im Palast hieß es, Wahid werde bleiben. Er habe während der Abstimmung der Volksversammlung zwar geschlafen, aber er habe schon vorher gesagt, er werde nicht abtreten, sagte ein Berater.

Wahids Sprecher kündigte zudem "notwendige Maßnahmen" an, um das Land zusammen zu halten. Seinen Kampf zur Rettung des Landes betrachte er als "heiligen Krieg". Ein anderer Berater sagte jedoch dem australischen Sender ABC, Wahid habe zwar Probleme, mit seiner Absetzung umzugehen, werde sie aber letztendlich akzeptieren. Er gehe nicht davon aus, dass Wahid von der jüngsten Entwicklung überrascht worden sei.

Megawati, Tochter des ersten indonesischen Präsidenten Sukarno, rief die Bevölkerung auf, ihre Differenzen zurückzustellen und sich für den Aufbau einer großen Nation einzusetzen. Sukarno hatte das Land in den vierziger Jahren in die Unabhängigkeit geführt. In ihrer siebenminütigen Rede ging Megawati mit keinem Wort auf Wahid ein. Sie rief aber alle Parteien auf, die Entscheidung der Volksversammlung zu akzeptieren. "Lasst uns zusammen unser Land aufbauen", appellierte sie an die Bürger. Megawati kündigte an, in einigen Tagen ihr neues Kabinett vorzustellen.

Unterstützung bekam Megawati von den Nachbarländern, den USA, Japan und der Europäischen Union. Die Vereinigung der südostasiatischen Staaten (ASEAN), der Indonesien angehört, erklärte, sie erkenne die Wahl Megawatis als neue indonesische Präsidentin an. US-Präsident George W. Bush sagte in Rom, er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Megawati. Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi sagte der neuen Präsidentin ebenfalls Unterstützung zu. Die Europäische Union erklärte, sie sei bereit, Indonesien auf dem Weg zur wirtschaftlichen und politischen Stabilität zu unterstützen.