Internationale Presse "Ein langer Krieg"
Die konservative französische Tageszeitung "Le Figaro":
"Es hat nicht mal ein Jahr bis zum ersten großen Krieg des 21. Jahrhunderts gedauert. Ein Krieg neuer Art, denn er wird nicht gegen ein Land, sondern gegen eine Ideologie und die Praxis des Terrorismus geführt, der am 11. September mit einer bisher nicht gekannten Gewalt zugeschlagen hat. Die Angriffe, auch wenn sie gezielt waren, werden nicht das schnelle Ende der Feinde der Demokratie bewirken. Die gefährlichste Illusion wäre zu glauben, dass man den Terrorismus ausschalten kann, nur weil man es so entschieden hat."
Die linksorientierte Budapester Tageszeitung "Nepszabadsag":
"Die Aktion bedeutet keine endgültige Befriedung und auch keine Liquidierung des internationalen Terrorismus. Nicht nur wegen eventueller Racheaktionen, sondern auch wegen der langfristigen Interessen, um die es hier geht. Im mittleren Asien befinden sich die größten unerschlossenen Kohlenwasserstoffvorkommen. Damit die Welt an sie herankommt, muss die Region befriedet, müssen Pipelines von den Öl- und Erdgaslagerstätten zu den Häfen verlegt werden."
Die spanische Zeitung "El Mundo" aus Madrid:
"Es bestehen ernsthafte Zweifel, ob die nun begonnenen Operationen dazu angetan sind, der terroristischen Gefahr ein Ende zu setzen und Leuten wie Bin Laden das Handwerk zu legen. Die Vorbehalte sind nicht moralischer, sondern praktischer Art. Die von US-Präsident George W. Bush gestarteten Angriffe sind völlig gerechtfertigt. Aber die Eroberung Afghanistans gelang weder Alexander dem Großen noch den Briten und auch nicht den Russen."
Die niederländische christliche "Trouw":
"Bin Laden lässt sich bestimmt nicht ohne weiteres ausschalten. Man muss sogar damit rechnen, dass Terroristen die Militäraktion zum Vorwand für neue Anschläge nehmen. Aber dadurch darf sich die Welt - und diesmal handelt es sich dank der Haltung Russlands nicht nur um die westliche Welt - nicht zu gewaltloser Passivität lähmen lassen."
Die konservative "Telegraaf" aus den Niederlanden:
"Die Welt steht vor einer schwierigen Zeit. Soldaten werden bei den Aktionen ebenso umkommen wie unschuldige Zivilisten. Unter den Umständen ist dies unvermeidbar und kein Grund zum Zögern. Nach den ersten Militäraktionen in Afghanistan muss weltweit der Terrorismus aufgerollt werden. Erst dann ist Rückkehr zur Normalität möglich."
Die liberale österreichische Zeitung "Der Standard":
"So nötig eine weltweite Allianz und ein internationales Vorgehen gegen den Terror geworden ist: Was unter dem Titel 'Solidarität' abläuft, hat eine tiefe Schattenseite - die Sanktionierung staatlichen Terrors und das Akzeptieren von Militärherrschaft. Keine laute Kritik mehr an den Übergriffen der russischen Armee in Tschetschenien, keine wirklichen Fragezeichen hinter der so genannten Nordallianz, keine Reserven mehr gegenüber Pakistan. Daher die akute Gefahr, dass man erneut (wie im Falle Saddam Husseins oder der Taliban selbst) mit Milliarden künftige Feinde züchtet und neue Krisenherde schafft."
Die "Basler Zeitung" aus der Schweiz:
"Die Aktion sei sorgfältig geplant, hat Präsident Bush versichert. Nur sind die Risiken einer solchen Militäraktion auch bei größter Präzision enorm. In der moslemischen Welt dürften Bilder von zerstörten Häusern und toten Zivilisten in Afghanistan die ohnehin latente antiamerikanische Stimmung schüren."
Die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera":
"Man muss US-Präsident Bush zugestehen, den Feldzug mit einem außergewöhnlichen Sinn für Selbstkontrolle und Ausgewogenheit vorbereitet zu haben. Damit hat er ihn als einen gerechten Krieg legitimiert, vom Gesetz und nicht von Rache geprägt. Fast einen Monat lang, wie er in seinem rührenden Appell an die Nation erinnert hat, hatte Bush den Taliban die Möglichkeit gegeben, Afghanistan mit der Übergabe von Bin Laden eine schreckliche Strafe zu ersparen."
Die konservative polnische Zeitung "Rzeczpospolita":
"Auf den Angriff auf Afghanistan wurde schon lange gewartet. Die Taliban müssen als Beschützer von Terroristen bestraft werden. So denken nicht nur die Amerikaner. So denken fast alle. Es ist zu erwarten, dass die Terroristen nicht die Waffen niederlegen, dass wir mit vielen Drohungen konfrontiert werden. Aber die zivilisierte Welt muss in diesem Moment an der Seite der Vereinigten Staaten sein."