Internationale Presse "Saddam wird einsam"
Die "Times" (London) schreibt:
"Die Söhne waren die Folterer, Vollstrecker und Hüter der tödlichsten Geheimnisse des Regimes, von denen nun einige mit ihnen gestorben sind. Es wäre besser gewesen, sie lebend zu fangen, für ausführliche Verhöre und letztlich auch für einen Gerichtsprozess. Aber die in der vergangenen Nacht aus Freude auf irakischen Straßen abgefeuerten Schüsse waren ein Zeichen dafür, dass mit der Todesbestätigung eine dramatische Wende zum Besseren begann."
Der Kommentar der französischen Tageszeitung "Libération" lautet:
"Solange Saddam Hussein selbst nicht festgenommen oder getötet wird, werden die Angriffe gegen die britisch-amerikanischen Truppen im Irak sicherlich nicht eingestellt werden. Deshalb ist der Tod der beiden Söhne und engsten Mitarbeiter des ehemaligen Diktators ein eindeutiger und bedeutender Sieg für (US-Präsident) George W. Bush. Er ist gleichzeitig eine große Erleichterung für die Iraker. Das beweist die Freude, die in Bagdad nach der Nachricht ausgebrochen ist. Das ausgeschriebene Kopfgeld von 15 Millionen Dollar hat Wunder gewirkt."
"La Repubblica" kommentiert:
"Das war ein 'Mittag des Feuers' in Mossul, ganz wie in den Westernfilmen und wie es Bush so gerne träumt, aber es bislang nie in die Wirklichkeit umsetzen konnte. Die Exekution der beiden Saddam-Söhne in Mossul - Udai, der Psychopath und Kussei, der Erbe des Reichs, das nicht mehr existiert - ist der erste blutige 'Sonnentag' für George Bush, seitdem das hohle Denkmal ihres Vaters im April in Bagdad niedergerissen wurde. 'Die Schlange mit den drei Köpfen', wie es ein britischer Biograph des Rais Saddam Hussein schrieb, hat zwei Köpfe verloren."
Der "Corriere della Sera" schreibt:
"Warum haben die beiden ausgerechnet in Mossul Zuflucht gesucht und nicht in Tikrit oder in Ramadi, also in den sunnitischen Gebieten, die heute als Zentrum des 'Widerstands' gelten? Laut amerikanischen Geheimdienstquellen hatten sich die Saddam-Söhne erst in den letzten Tagen nach Mossul begeben. Vielleicht, um zu versuchen, den anti- amerikanischen Guerillakampf auch in den Nordirak zu tragen. Der Angriff aus dem Hinterhalt, bei dem am Sonntag zwei US-Soldaten getötet wurden, soll auf ihren Befehl zurückgehen. In jeder Familie in Mossul gibt einen Offizier der Armee oder der Republikanischen Garden. Udai und Kussei hatten gehofft, die alten Verbindungen spielen zu lassen. Und Saddam, wo ist er? (...) Wo er auch immer sei, seit Dienstag ist er noch einsamer als zuvor."