Irak: Ausgangssperre dämmt Gewalt ein - DER SPIEGEL
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Irak Ausgangssperre dämmt Gewalt ein

Die Ausgangssperren im Irak zeigen Wirkung: Die nach dem Freitagsgebet befürchteten Ausschreitungen zwischen Sunniten und Schiiten sind bisher weitgehend ausgeblieben. Es herrscht angespannte Ruhe.
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Bagdad - Es sind drakonische Maßnahmen mit denen die irakische Regierung die Gewaltwelle in Folge des Anschlags auf die Goldene Moschee in Samarra einzudämmen versucht. In Samarra sind die Straßen wegen des vollständigen Ausgehverbots wie ausgestorben. Die Sicherheitskräfte haben Anweisung, auf jeden zu schießen, der gegen die Anordnung verstößt. Lautsprecher auf den Moscheen verkündeten die Ausgangssperre: "Wer sein Haus verlässt, wird festgenommen oder Ziel von Schüssen." Sicherheitskräfte hinderten rund 3000 Gläubige daran, zum Freitagsgebet in die größte Moschee zu gehen.

In Bagdad riegeln Straßensperren die einzelnen Viertel voneinander ab. Innerhalb der Stadtteile sind aber Menschen und Autos auf den Straßen unterwegs. Die Gläubigen gingen jeweils in ihrer Wohngegend zum Beten in die Moschee. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden alle Zivilflüge von und nach Bagdad annuliert.

Doch trotz aller Gegenmaßnahmen wurden in Bagdad 13 weitere von Kugeln durchsiebte Leichen gefunden - alle Opfer hatten die Hände gefesselt. Damit starben seit dem Anschlag in Samarra am Mittwoch rund 140 Menschen, die meisten Sunniten.

Die Ausgangssperre in der Hauptstadt und den Nachbarprovinzen Dimala, Babylon und Salaheddin, wo Samarra liegt, gilt zunächst bis heute, wie das Büro von Ministerpräsident Ibrahim Dschaafari mitteilte.    

Inzwischen wächst auch der Protest der Bevölkerung gegen die brutale Gewaltwelle. In mehreren Städten demonstrierten zahlreiche Iraker gegen die die Ausschreitungen und für die Einheit des Landes. Schiiten und Sunniten gingen gemeinsam auf die Straße. Kundgebungen gab es unter anderem in Basra, Kut, Nassirijah und Amara. In der nordirakischen Stadt Mossul skandierten Sunniten und Schiiten Parolen wie "Amerika ist der Feind Gottes".

Ministerpräsident Dschaafari rief sunnitische und schiitische Prediger auf, beim Freitagsgebet für Einheit und Frieden zu beten. Dschaafari äußerte sich nach einem Treffen mit dem sunnitischen Führer Ahmad Abdel Ghaffur al Samarrai und dem schiitischen Würdenträger Sabah el Haidari. Der Chef der mächtigen konservativen Schiitenpartei SCIRI, Abdel Asis al Hakim, verurteilte die Angriffe auf Moscheen und den Tod Unschuldiger. Er rief Schiiten und Sunniten auf, sich im Kampf gegen den Terrorismus zu vereinen.    

Der Imam der sunnitischen Moschee in Tschahbandar, Tschahab el Samarrai, verurteilte den Anschlag auf die Goldene Moschee am Mittwoch und die anschließende Gewalt als terroristisch. "Es gibt keine Unterschiede zwischen Arabern, Kurden, Sunniten und Schiiten", sagte er. Der radikale Schiitenführer Moktada Sadr beschloss die Bildung eines Komitees, das die Aktivitäten seiner Miliz "Mehdi-Armee" überwachen solle.

ler/AFP

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