Irak: Blutiger Ramadan - DER SPIEGEL
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Irak Blutiger Ramadan

Zu Beginn des Ramadan im Irak nimmt die Gewalt zu. Südlich von Bagdad wurden neun Polizisten getötet, in Falludscha kam es erneut zu heftigen Gefechten. In Bagdad wurden mehrere Brandanschläge auf Kirchen verübt. Ein irakischer Bischof fürchtet jetzt einen Exodus der Christen aus dem Land.
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Bagdad - Bei der Anschlagsserie auf fünf Kirchen in der vergangenen Nacht wurde zwar niemand verletzt, die Gotteshäuser wurden aber zum Teil stark beschädigt. Der amtierende Bischof der syrischen katholischen Kirche, Raphael Kutaimi, sagte heute, nach der Anschlagsserie auf Gotteshäuser dächten viele der 750.000 irakischen Christen über eine Auswanderung nach. "Aber dies ist seit Tausenden von Jahren unser Land. Wir dürfen es nicht verlassen."

Es war das zweite Mal in drei Monaten, dass christliche Kirchen zum Ziel von Übergriffen wurden. Im August waren bei Bombenanschlägen auf vier Kirchen in Bagdad und Mossul zwölf Menschen getötet und mehr als 30 verletzt worden. Kutaimi zeigte sich überzeugt, dass die Täter Ausländer und nicht irakische Muslime seien. Seit dem 13. Jahrhundert sei im Irak keine Kirche mehr angegriffen worden, sagte der Generalsekretär der christlichen Assyrisch-Demokratischen Bewegung, Jonadem Kana.

In der Nähe der Rebellenhochburg Falludscha kam es heute zu schweren Gefechten, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht erneut einen Luftangriff geflogen hatten. Dabei wurde nach US-Angaben ein Kontrollposten zerstört, der von Anhängern des Extremisten Abu Mussab al-Sarkawi betrieben worden sei. Neben den drei Opfern dieses Angriffs meldeten Krankenhausmitarbeiter den Tod einer Dreijährigen, die gestern in einem nahe gelegenen Dorf von Artilleriegeschossen getroffen worden sei. Der Stadtrat von Falludscha bot der irakischen Regierung erneut Friedensgespräche an, falls die USA ihre Angriffe einstellten.

In Latifija südlich von Bagdad wurden am Sonntag neun Polizisten getötet, die gerade von einer Ausbildung in Jordanien zurückkehrten. Nahe Bakuba wurde ein irakischer Nationalgardist auf dem Weg zum Dienst erschossen. Ein Granatenangriff auf ein Büro der Nationalgarde in Kut kostete einen Zivilisten das Leben. In Bagdad schlugen Granaten in den Garten eines Krankenhauses ein und töteten einen Mitarbeiter. In Kirkuk wurde ein Vertreter der turkmenischen Minderheit erschossen.

Bei Bombenanschlägen in Kaim und Mossul wurden vier US-Soldaten und ein irakischer Dolmetscher getötet. Zwei weitere Soldaten kamen beim Absturz zweier Militärhubschrauber ums Leben, die Ursache wurde am Sonntag noch untersucht. Nahe Mossul wurden einer Videobotschaft zufolge erneut zwei türkische Lastwagenfahrer entführt.

Annan: Welt nicht sicherer

Die US-Streitkräfte ließen heute rund 250 Häftlinge aus dem Gefängnis Abu Ghureib westlich von Bagdad frei. Eine Überprüfung habe ergeben, dass sie keine Gefahr mehr für die Sicherheit darstellten, sagte ein Militärsprecher.

Der Irak-Krieg hat die Welt nach Ansicht von Uno-Generalsekretär Kofi Annan nicht sicherer gemacht und nur wenig zum Kampf gegen den internationalen Terrorismus beigetragen. Die Weltgemeinschaft müsse unverändert hart daran arbeiten, die Sicherheitslage zu verbessern, sagte Annan in einem Interview des britischen Fernsehsenders ITV, das heute ausgestrahlt werden soll. "Ich kann nicht sagen, dass die Welt sicherer geworden ist, wenn Sie die Gewalt um uns herum bedenken, wenn Sie die terroristischen Angriffe in aller Welt sehen, und wenn Sie sehen, was im Irak los ist", sagte Annan nach einer schriftlichen Fassung des Interviews, die ITV vor der Sendung veröffentlichte.

Der Uno-Generalsekretär bekräftige seine Einschätzung, dass sich der Irak auf einem guten Weg zu den im Januar geplanten Wahlen befindet. Er betonte jedoch auch, dass er mögliche Mängel bei der Vorbereitung und beim Ablauf der Wahl offen kritisieren werde.

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