Irak: Der Krieg vor dem Krieg - DER SPIEGEL
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Irak Der Krieg vor dem Krieg

Die US-Luftwaffe hat schon mehr als ein halbes Jahr vor Kriegsbeginn damit begonnen, den Irak unter Feuer zu nehmen. Nach Angaben des Kommandanten Michael Moseley wurden mehr als 600 Bomben auf militärische Ziele gelenkt - unter dem Vorwand, sich gegen das Feuer der irakischen Luftabwehr zu schützen.
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New York - Nach dem "Southern Focus" genannten Plan hätten US-Kampfflugzeuge von Juni 2002 bis zum Kriegsbeginn im März diesen Jahres 606 Bomben auf 391 Ziele abgeworfen, berichten "New York Times" und "Washington Post" unter Berufung auf Äußerungen des verantwortlichen Luftwaffengenerals Moseley. Die Lufangriffe richteten sich den Berichten zufolge gegen wichtige Kommandozentralen, Radaranlagen und andere militärische Ziele im Irak.

Insbesondere die Verteilerstationen des irakischen Fiberglas-Kabelnetzes, über das die Truppen von Saddam Hussein militärische Informationen austauschten, seien bereits vor Beginn des Irak- Krieges beschossen worden, so Moseley bei einer Ansprache auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Nellis in Nevada. Die "Southern Focus"-Operationen "schafften eine Reihe von Gelegenheiten und Möglichkeiten für General (Tommy) Franks", wird Moseley wörtlich von der "Washington Post" zitiert. Der Luftwaffengeneral spielte der Zeitung zufolge mit diesen Worten darauf an, dass Franks, der Chef des US-Central Command, seine Bodenoffensive im März 2003 nur deshalb ohne große vorherige Luftangriffe eröffnen konnte.

In der Öffentlichkeit wurden die Luftschläge im Vorfeld des Irak-Krieges mit vermehrten Angriffen der irakischen Luftabwehr begründet. Laut Moseley stimmt dies auch, insgesamt seien britische und amerikanische Flugzeuge bei Patroullien in den Flugverbotszonen von Mitte 2002 bis März US-Flugzeuge mehr als 600mal von irakischen Stützpunkten beschossen worden. Allerdings gesteht der Luftwaffengeneral heute zu, dass die gehäuften Attacken der Iraker von den Alliierten provoziert wurden. "Wir wurden etwas aggressiver, sie schossen mehr auf uns, und das wiederum erlaubte es uns, stärker zu antworten", sagte er laut "New York Times". Insgesamt seien laut Moseley von Juni 2002 bis zum Beginn des Irak-Krieges allein im südlichen Irak 21,736 Einsätze britischer und amerikanischer Militärmaschinen geflogen worden.

Die USA und Großbritannien hatten nach dem Golf-Krieg 1991 im Norden und Süden des Irak Flugverbotszonen eingerichtet und dies mit dem Schutz der Bevölkerung vor Übergriffen der Regierung von Präsident Saddam Hussein begründet. Der Irak hatte diese Zonen nie anerkannt.