Irak: Der Mann, der Saddam verriet - DER SPIEGEL
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Irak Der Mann, der Saddam verriet

Ein Mann aus Tikrit gab den entscheidenden Hinweis für die Ergreifung Saddam Husseins. Doch der Kollaborateur sitzt weiter in US-Haft - und auf das Kopfgeld in Höhe von 25 Millionen Dollar kann er vermutlich lange warten.
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Hamburg - Colonel James Hickey, Brigadenführer der 4. Infantriedivision, hat weitere Details von der Ergreifung des Despoten enthüllt. Der entscheidende Hinweis sei von einem als wohlhabend und korpulent bezeichneten Mann aus Tikrit gekommen, den US-Soldaten am Samstag bei einer Razzia in Bagdad festgenommen hatten.

Wie er den Amerikanern ins Netz ging und sie schließlich zum Versteck des Ex-Diktators führte, beschreiben die britische Zeitung "Financial Times" und die "Washington Post". Demnach hatte sich das von den amerikanischen Offizieren gesponnene Fahndungs-Netz seit dem 4. Dezember zugezogen. In den frühen Morgenstunden hatte Hickey mit seinen Soldaten fünf Razzien durchgeführt. Die GIs hatten es auf eben jenen fälligen Mann abgesehen, der später den Hinweis auf Saddams Versteck geben sollte. Seit Anfang Juli stand er wegen seiner engen Kontakte zum ehemaligen Regimechef auf der Fahndungsliste der Amerikaner.

Den US-Ermittlern war er als das Oberhaupt einer Familie bekannt, die zwar nicht zum Stamm Saddams gehörte, jedoch enge Beziehungen mit dem Clan pflegte. Laut "Washington Post" soll er ein hochrangiger Offizier in Saddams Sicherheitsapparat gewesen sein.

Die Fahnder hatten deutliche Hinweise darauf, dass der Gesuchte wusste, wo sich Saddam verbirgt. An jenem Morgen des 4. Dezember entging der Mann noch einmal seinen Häschern. Die US-Soldaten nahmen lediglich einige Untergebene des Gesuchten fest, die als Aktivisten im irakischen Widerstand galten.

Auch bei zwei weiteren Razzien in den Folgetagen in Samarra und Baiji ging der wertvolle Informant nicht ins Netz. Erst vergangenen Freitag gelang es einer in Bagdad stationierten Einheit, den Gesuchten zu fassen. Welchen wertvollen Tippgeber sie gefangen genommen hatten, wussten die Soldaten zunächst nicht. Erst am Samstagmorgen wurde Colonel Hickey über die Festnahme informiert, er ließ den Mann sofort nach Tikrit ins US-Hauptquartier fliegen.

"Jede Razzia baut auf einer anderen auf", sagte Hickey später, "man setzt das Puzzle so gut es geht zusammen. Manchmal passen die Teile völlig unerwartet zueinander".

Den Angaben der "Financial Times" zufolge wies Hickey seine Truppe umgehend an, sich für Patrouillen bereit zu halten. Doch zunächst führte der Informant seine Häscher in eine falsche Richtung, ergänzt die "Washington Post": Saddam solle sich westlich von Tikrit aufhalten. Nach drei bis vier Stunden, so die "Financial Times", sei der Mann weich gekocht gewesen. Am späten Nachmittag verriet er, dass sich Saddam wohl eher bei dem Ort Ad Dawr nahe einer Flussbiegung des Tigris verstecke. Diesmal hatten die Soldaten das Gefühl, nicht getäuscht zu werden. Wenig später schwärmten die US-Einheiten, nahezu 600 Mann stark, Richtung Ad Dawr aus, das sich etwa 15 Kilometer südlich von Tikrit befindet.

Ihren Gefangenen schleppten die Amerikaner mit auf die Operation, verhörten ihn weiter. Vor Ort gab er den entscheidenden Hinweis: Saddam halte sich in einem unterirdischen Bunker auf einem nahe gelegenen Landgut auf.

Wer der Mann genau ist, darüber will die US-Armee nicht viel sagen. Seine Identität müsse geheim bleiben, damit er möglicherweise weitere wertvolle Hinweise geben kann, berichtet die "Washington Post". Es wurde lediglich bekannt, dass er nicht zu den 55 Top-Gesuchten der Besatzungsmächte gehört. Er stamme aus Abou Ajil, einem Weiler nördlich von Tikrit.

Bekannt wurde auch, dass der Hinweisgeber die auf Saddam ausgesetzte Kopfprämie in HÃhe von 25 Millionen Dollar nicht erhalten soll. Schließlich habe er nicht von sich aus und ohne Zutun des US-Geheimdiensts zur Ergreifung Saddams beigetragen, hieß es.

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