Irak Dutzende Tote bei Bombenanschlägen
Bagdad - Durch die Explosion zweier Autobomben in einem überwiegend von Schiiten bewohnten Viertel Bagdads wurden 32 Menschen getötet. Die Bomben detonierten kurz vor Einbruch der Dunkelheit, als sich die Bewohner auf das Abendessen im Fastenmonat Ramadan vorbereiteten. Es war einer der schlimmsten Anschläge in der irakischen Hauptstadt in den vergangenen Wochen.
Auch in anderen Landesteilen kam es zu Anschlägen, wie die Behörden mitteilten. Im Norden riss ein Selbstmordattentäter zehn Menschen bei einem Angriff auf einen Stammesführer mit in den Tod und verletzte neun weitere. Bei der Explosion eines Sprengsatzes in der Nähe einer Moschee südlich der irakischen Hafenstadt Basra sollen am Abend vier Menschen getötet worden sein. Die Explosion ereignete sich nach Angaben der Agentur Aswat al-Irak in der Ortschaft Kada Abi Chasib. Die gesamte Region wird überwiegend von Schiiten bewohnt. Bei drei Bombenexplosionen in Mosul und drei weiteren im Norden des Iraks starben 13 Personen. Mehr als 50 wurden verletzt.
Nach Darstellung der US-Armee hat die Extremistenorganisation al-Qaida während des muslimischen Fastenmonats Ramadan ihre Anschläge im Land ausgeweitet. Der Anstieg sei bisher aber geringer als während des Ramadan vor einem Jahr, sagte Generalmajor Kevin Bergner. Zu Beginn des Fastenmonats vor zwei Wochen hatte al-Qaida mehr Anschläge angekündigt. Sie würden sich besonders gegen Stammesführer richten, die mit den Sicherheitskräften zusammenarbeiteten.
Irakische Spezialeinheiten hatten gestern in der größten Militärschule des Landes 20 "kriminelle Elemente" festgenommen, darunter mehrere ranghohe Offiziere. Wie ein Sprecher des irakischen Verteidigungsministeriums mitteilte, wurden die Armeemitglieder wegen Mordes, Entführung und Bildung krimineller Banden gesucht. Anlass des Einsatzes waren demnach die Entführung und Ermordung des ehemaligen Kommandeurs der Schule sowie die Entführung eines weiteren Generals. Dieser wurde bei dem gestrigen Einsatz befreit.
Unterdessen erklärte der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki, ein stabiler und sicherer Irak sei noch in weiter Ferne. Bis dies erreicht sei, sei noch ein langer Weg zurückzulegen, sagte Mailiki vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York. Zugleich warnte er die Nachbarstaaten des Irak vor einem Übergreifen der Gewalt. Sollte der Zustrom an Waffen und Selbstmordattentätern anhalten sowie Hass und Mordanschläge weiter zunehmen, hätte dies für die Region und auch die Welt katastrophale Folgen.
anr/Reuters/AFP