Irak "Enormer Appetit auf Atomwaffen"
Washington - In dem Land seien viele biologische und atomare Waffendepots "tief vergraben" und mit Luftangriffen allein schwer zu zerstören, erklärte Rumsfeld in den USA.
Mobile Einrichtungen stellten für Luftangriffe ein weiteres Problem dar, sagte der Verteidigungsminister. "Ein biologisches Labor kann auf Rädern in einem Anhänger sein und viele schlimme Sachen herstellen", sagte Rumsfeld. "Es ist beweglich und sieht aus wie jeder andere Anhänger", erklärte er auf die Frage, warum die USA Depots mit Massenvernichtungswaffen nicht bombardierten. Die Idee, irakische Massenvernichtungsmittel könnten bereits durch gezielte Luftangriffe zerstört werden, bezeichnete Rumsfeld als "eine falsche Vorstellung". Iraks Machthaber Saddam Hussein besitze "chemische, biologische Waffen". "Er hat einen enormen Appetit auf Atomwaffen", fügte Rumsfeld hinzu. "Das ist eine größere Aufgabe, als man sich vorstellt", sagte er mit Blick auf einen möglichen US-Militäreinsatz
Eine Reihe von Zeitungsberichten über Pläne des US-Militärs und Äußerungen von Präsident George W. Bush, den Sturz des irakischen Präsidenten Saddam Husseins mit allen Mitteln betreiben zu wollen, haben Spekulationen über einen US-Angriff auf das Land genährt. Zuletzt berichtete die "New York Times" unter Berufung auf ranghohe Kreise des US-Verteidigungsministeriums, die USA prüften Pläne, wonach bei einem Angriff auf Irak zuerst die Hauptstadt Bagdad und wichtige Kommandozentralen sowie Waffendepots eingenommen werden sollen.
Mit den Angriffen auf die Kommandozentralen solle Saddam rasch gestürzt werden, hieß es in dem Bericht. Ziel sei es, ihn zu isolieren oder zu töten und einem Einsatz irakischer Massenvernichtungswaffen gegen eine angreifende Nation, Verbündete an der Front oder Israel zuvorzukommen. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats lehnte einen Kommentar zu dem Bericht ab.
Angriff auf die Achse des Bösen?
Bush hatte Irak gemeinsam mit Iran und Nordkorea als "Achse des Bösen" bezeichnet und dem Land vorgeworfen, es strebe nach Massenvernichtungswaffen. Der Irak bestreitet, chemische, biologische oder atomare Waffen herzustellen. Waffeninspektoren der Vereinten Nationen (Uno) sind 1998 aus dem Irak abgezogen worden, weil sie von den dortigen Behörden bei ihrer Suche nach Massenvernichtungswaffen behindert worden sein sollen. Die Rückkehr der Inspektoren lehnte der Irak bislang ab.
Drei Gesprächsrunden zwischen der Uno und Irak über eine Rückkehr der Waffeninspektoren sind in diesem Jahr bereits gescheitert. Der Nachweis, dass Irak keine Massenvernichtungswaffen herstellt oder lagert, ist Voraussetzung für die Aufhebung von Sanktionen, die die Uno wegen des Überfalls auf Kuweit 1990 gegen das Land verhängt hat.
Der irakische Außenminister Nadschi Sabri sagte Reuters, die USA wollten die irakische Regierung stürzen und ein Marionetten-Regime einsetzen, um die Kontrolle über die Erdölvorräte des Landes zu bekommen: "Die USA haben ein Auge auf das irakische Öl." Er warf den USA vor, sie forderten die Rückkehr der Waffeninspektoren lediglich, um Spione in das Land zu schleusen.
Büchse der Pandora
Der jordanische König warnte in London davor, mit einem Angriff auf Irak gleichsam die Büchse der Pandora zu öffnen und hohe Risiken für die gesamte Region in Kauf zu nehmen. Solange die Perspektiven für einen Nahost-Frieden nicht verbessert seien, dürfe es keinen Schritt gegen Irak geben, drängte Abdullah in zwei Interviews, die er britischen Medien anlässlich seines Besuches bei Großbritanniens Premierminister Tony Blair gab.
Russlands Vize-Außenminister Alexander Saltanow sagte in Ankara, der Streit zwischen den USA und Irak müsse friedlich gelöst werden. Als Teil einer Lösung müssten auch die Uno-Sanktionen gegen Irak aufgehoben werden.
"Wir haben keine Lust, in halb ausgegorene Abenteuer hineingezogen zu werden", sagte im nordirakischen Sulajmanija Barham Salah, der Anführer einer Gruppe von Kurden, die nach dem Golf-Krieg 1991 massiv von Hussein verfolgt worden waren. Ein bewaffneter Konflikt sei nicht im Interesse seines Volkes, sagte der im Westen ausgebildete Ingenieur. Nach dem Golf-Krieg haben die Vereinten Nationen im Norden Iraks zum Schutz der Kurden eine Flugverbotszone für das irakische Militär eingerichtet. Die USA haben die Vertreter von sechs oppositionellen irakischen Gruppen nach Washington eingeladen, um über die Zukunft des Landes zu beraten.