Irak: Gestohlenes Uran wieder aufgetaucht - DER SPIEGEL
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Irak Gestohlenes Uran wieder aufgetaucht

Bei einer Razzia im Irak haben US-Soldaten geheime Dokumente des irakischen Geheimdienstes gefunden; die Internationale Atomenergiebehörde machte gestohlenes Uran aus der Anlage Tuwaitha ausfindig. Saddam Husseins festgenommener Privatsekretär gab den Amerikanern derweil Hinweise auf den Verbleib des entmachteten Diktators.
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Bagdad/Wien/New York - Bei deiner Razzia in einem ehemaligen Bürgerhaus in Bagdad entdeckten die Soldaten Ausrüstung und Dokumente des irakischen Geheimdienstes. Einige der Papiere trugen Vermerke wie "Streng geheim" und "Persönlich". Ein Geheimdienstexperte der US-Streitkräfte bezeichnete den Fund als "potenziell bedeutend".

Etwa 50 Soldaten riegelten in der Nacht das Stadtviertel Asamijah teilweise ab und stürmten das Gebäude. Sie fanden neben zahlreichen geheimdienstlichen Unterlagen unter anderem Chiffriergeräte und Anlagen zur abhörsicheren Übertragung.

Experten der IAEA machten derweil den größten Teil des aus der Atomanlage Tuwaitha verschwundenen Urans aus. Mindestens ein Fünftel des in Tuwaitha gelagerten Urans wurde nach der Flucht der irakischen Truppen vor der alliierten Invasionsstreitmacht gestohlen. Wie aus diplomatischen Kreisen in Wien verlautete, schütteten die Plünderer - meist Bewohner anliegender Dörfer - das Uran einfach aus und nahmen die Fässer mit, um darin Trinkwasser aufzubewahren.

Die Suche nach dem Uran war auf internationalen Druck hin vor zwei Wochen eingeleitet worden. Die US-Besatzungsbehörde kontrollierte die Arbeit des IAEA-Teams. Es wurde nicht bekannt, wie viel Uran aus Tuwaitha verschwunden war und wo es gefunden wurde. Offenbar tauchte das meiste Material auf dem Gelände oder in der Nähe der einst größten irakischen Atomanlage wieder auf. Den Diplomaten zufolge konnten die IAEA-Experten aber nichts über den Verbleib des in Forschung und Medizin verwendeten radioaktiven Materials sagen. Es sei nicht klar, ob dieses eine Gefahr für die Bevölkerung darstelle.

Vor dem Sitz der US-Verwaltung im ehemaligen Präsidentenpalast in Bagdad demonstrierten am Samstag rund 2000 Schiiten. Auf einem Spruchband stand: "Wir wollen eine ehrliche Regierung, keine Diebe." Am Mittwoch hatten US-Soldaten das Feuer auf Demonstranten vor dem Präsidentenpalast eröffnet und zwei von ihnen getötet.

Saddam angeblich am Leben: USA leiten umfangreiche Fahndung ein

Der gestürzte irakische Präsident Saddam Hussein und seine beiden Söhne haben einem festgenommenen Berater zufolge den Krieg überlebt, berichtet die "New York Times". Dies habe der vor wenigen Tagen gefangen genommene Berater Saddams, Abid Hamid Mahmud al-Tikriti, erklärt, berichtete das Blatt am Samstag unter Berufung auf Kreise des US-Verteidigungsministeriums. Tikriti stand auf der Fahndungsliste der USA hinter Saddam und seinen Söhnen Udai und Kussei an vierter Stelle und gilt daher als bislang wichtigstes gefasstes Mitglied der ehemaligen Führung.

Dem Blatt zufolge messen die USA den Angaben Tikritis große Bedeutung bei und haben deshalb eine umfangreiche Fahndungsaktion eingeleitet. Saddam und seine Söhne sollen zu einem bestimmten Zeitpunkt in Syrien Unterschlupf gesucht haben, berichtete die Zeitung.

Diese hatte am Freitag unter Berufung auf US-Kreise berichtet, abgehörte Gespräche zwischen Saddam-Anhängern verstärkten die Annahme, dass der ehemalige Machthaber den im März begonnenen Krieg überlebt habe. Die USA haben mindestens zwei Mal Anlagen bombardiert, in denen sie nach eigenen Angaben Saddam vermutet hatten. Das US-Präsidialamt hatte es gestern erneut als unklar bezeichnet, ob Saddam noch lebe.