Irak Heftige Kämpfe in Bagdad - Regierung plant Großangriff auf Rebellen
Bagdad - Der Großangriff auf die Rebellen in Bagdad soll in enger Abstimmung mit den USA gestartet werden, es werde keinen sicheren Ort mehr für die Aufständischen geben, sagte Ministerpräsident Nuri al-Maliki vor dem Parlament bei der Vorstellung eines neuen Sicherheitsplans. Die Offensive mit Unterstützung der 21.500 Soldaten, die die USA zusätzlich in den Irak schicken wollen, werde sich gleichermaßen gegen sunnitische wie schiitische Extremisten richten. So sollen die täglichen Anschläge, Entführungen und Ermordungen in der Hauptstadt eingedämmt werden.
Das irakische Parlament verabschiedete den Plan. Alle 160 anwesenden Abgeordneten stimmten für das Vorhaben. Bagdad soll demnach in neun verschiedene Sektoren unterteilt werden, in denen irakische und US-Soldaten Häuser und Moscheen nach Aufständische und Waffen durchsuchen.
Auch die Partei des radikalen Schiitenpredigers Muktada al-Sadr stimmte dem Sicherheitsplan zu. Die Miliz der Bewegung, die Mahdi-Armee, gilt als einer der Hauptverantwortlichen für die ethnische motivierte Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten. "Wir stimmen zu", sagte ein Abgeordneter der Fraktion.
"Dieser Plan ist 100 Prozent irakisch, erstmalig steht eine derart große Operation unter irakischem Kommando", sagte al-Maliki. "Die Rolle der multinationalen Truppen wird es sein, die irakischen Einheiten zu unterstützen", fügte er hinzu. Der Plan soll im Februar umgesetzt werden.
Heftige Straßenkämpfe in Bagdad
Im Zentrum von Bagdad dauerten die heftigen Straßenkämpfe zwischen amerikanischen und irakischen Soldaten auf der einen und sunnitischen Aufständischen auf der anderen Seite weiter an. Scharfschützen positionierten sich auf Dächern von Hochhäusern und lieferten sich Gefechte mit Rebellen, die aus Fenstern anderer Gebäude schießen.
Die US-Streitkräfte setzten auch Kampfhubschrauber vom Typ Apache ein. Über dem Stadtteil an der Haifa-Straße am Westufer des Tigris stiegen dunkle Rauchwolken auf.
Der irakische Regierungssprecher Ali al-Dabbag sagte, das Ziel der Offensive sei es, die Haifa-Straße "von Terroristen und Gesetzlosen zu säubern". Nach Angaben des irakischen Verteidigungsministeriums wurden 30 Aufständische getötet und 27 gefangen genommen. Ein US-Militärsprecher teilte mit, bei der Militäraktion mit der Bezeichnung "Tomahawk Strike II" seien auch schwere Waffen beschlagnahmt worden.
Bei der Explosion einer Bombe, die an einem Motorrad festgeschnallt war, kamen in Bagdad mindestens vier Menschen ums Leben. 18 Besucher eines offenen Marktes im Bezirk Schorja wurden nach Polizeiangaben verletzt. Bei Anschlagen auf einen weiteren Markt im Westen der Hauptstadt wurden drei Menschen getötet und elf verletzt.
Die US-Botschaft in Bagdad bestätigte einen Angriff irakischer Aufständischer vom vergangenen Dienstag, bei dem fünf Leibwächter der Botschaft getötet worden waren. Die Amerikaner hätten für die US-Sicherheitsfirma Blackwater gearbeitet, erklärte Botschafter Zalmay Khalilzad. Sie hätten zum Zeitpunkt des Angriffs in Ost-Bagdad zwei Mitarbeiter der Botschaft geschützt, die sich dort zu Gesprächen aufgehalten hätten.
Nach Angaben der Botschaft wurde einer der Leibwächter in einem Hubschrauber erschossen. In einem zweiten Helikopter starben vier weitere Blackwater-Mitarbeiter, als die Aufständischen den Hubschrauber mit heftigem Feuer belegten und zum Absturz brachten. Zu dem Angriff haben sich gleich zwei sunnitische Extremisten-Gruppen bekannt: Die Islamische Armee im Irak und Ansar al-Sunna.
asc/AP/dpa/AFP