Irak-Hilfe Uno bittet um Milliardenspenden
New York/Umm Kasr - Das britische Marineschiff "Sir Galahad" war am Mittag im einzigen irakischen Tiefwasserhafen Umm Kasr eingelaufen. Nach Angaben des alliierten Oberkommandos in Katar hat es mehrere hundert Tonnen Lebensmittel, Wasser, Decken, Plastikplanen und Medikamente geladen.
Die Ankunft des Schiffes hatte sich um mehrere Tage verzögert. Zunächst hatten irakische Soldaten in Umm Kasr unerwartet heftigen Widerstand geleistet, dann waren Minen unter Wasser gefunden worden. Die Hilfslieferungen sind vor allem für die Einwohner der Millionenstadt Basra gedacht.
Bei der Auslieferung der ersten Hilfspakete hatten sich vor allem in der Grenzstadt Safwan dramatische Szenen abgespielt. Vor allem der Mangel an Trinkwasser hat die Bevölkerung im Süden des Irak in eine kritische Lage gebracht.
Besatzer tragen die Verantwortung
Inzwischen hat die Uno die internationale Gemeinschaft in einem dringenden Appell um mehr als 2,2 Milliarden Dollar (etwa 2,07 Milliarden Euro) für die Nothilfe im Irak gebeten. Das Geld werde benötigt, um der vom Krieg betroffenen Bevölkerung in den nächsten sechs Monaten das Überleben zu ermöglichen. Dem am Freitag veröffentlichten Aufruf der humanitären Hilfsorganisationen der Uno haben sich die Leiter des Kinderhilfswerks Unicef, der Uno-Nothilfekoordinierung Ocha und des Entwicklungsprogramms UNDP angeschlossen.
Zugleich wird darin betont, dass die Besatzungsmächte die Hauptverantwortung für die Linderung der Not trügen. Sie müssten zudem die Verteilung von Lebensmitteln und Medikamenten an die Zivilbevölkerung gewährleisten. Alle am Irak-Krieg beteiligten Seiten wurden aufgerufen, Helfern der Uno sowie anderer Organisationen ungehinderten Zugang zu Menschen in Not zu ermöglichen.
Die erbetenen Mittel für die unmittelbare Überlebenshilfe werden nach Angaben der Uno-Hilfsorganisationen zusätzlich zu dem Uno-Programm "Öl für Lebensmittel" benötigt, das aus den Einnahmen aus dem Export irakischen Erdöls finanziert wird. Auf die Fortsetzung dieses Programms in der Regie des Uno-Generalsekretärs Kofi Annan für zunächst 45 Tage hatte sich der Sicherheitsrat in der Nacht zum Freitag geeinigt.
16 Millionen Iraker brauchen Hilfe
Aus diesem Programm stehen derzeit rund 2,5 Milliarden Dollar für die Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten zu Verfügung. 60 Prozent der irakischen Bevölkerung - etwa 16 Millionen Menschen - sind auf Grund der nach dem Überfall auf Kuweit 1990 verhängten Sanktionen seit Jahren vollständig von diesem Programm abhängig.
Etwa 1,3 Milliarden Dollar würden voraussichtlich bis September innerhalb des Irak für die zusätzliche Bereitstellung von Lebensmitteln und sauberem Wasser benötigt, hieß es bei der Uno. Auf rund 900.000 Dollar werde der Finanzbedarf im so genannten Nicht-Lebensmittel-Bereich geschätzt - so etwa zur Unterhaltung von Flüchtlingslagern außerhalb des Irak.
Derzeit befänden sich im Irak noch einige Lager mit Nahrungsmitteln und anderen Versorgungsgütern für wenige Wochen. Die Lager seien vor Beginn des Krieges so weit wie möglich aufgestockt worden. Irakische Mitarbeiter von Hilfsorganisationen bemühten sich, mit diesen Beständen die schlimmste Not zu lindern.