Irak Italienische Geisel hingerichtet
Rom/Bagdad - Es ist das erste Mal, dass Aufständische eine ausländische Geisel hingerichtet haben. Die italienische Regierung bestätigte heute morgen, einer von vier am Montag gekidnappten Italienern sei exekutiert worden. Dem arabischen Sender al-Dschasira war ein Video zugespielt worden, auf dem die Ermordung des Mannes zu sehen ist. Das Video wurde bislang nicht gezeigt, weil die Aufnahmen offenbar zu grausam sind. Eine Gruppe namens Grünes Bataillon drohte in einer Erklärung an, auch die drei verbliebenen Geiseln zu töten, falls Italien seine Truppen nicht abziehe.
Weiter heißt es in dem Text, den ein Nachrichtensprecher des Senders verlas, Berlusconi kümmere sich mehr um "seine Herren im Weißen Haus als um sein eigenes Volk". Von Berlusconi wird neben einem Truppenabzug eine Entschuldigung für "seine Beleidigungen des Islam" gefordert. Zudem wollen die Kidnapper die Freilassung aller inhaftierten Geistlichen im Irak erpressen.
In einer ersten Reaktion gab sich Berlusconi unbeugsam. "Sie haben ein Leben abgebrochen", sagte er. "Aber sie haben weder unsere Werte noch unser Bemühen um Frieden beeinträchtigt." Berlusconi kündigte die Entsendung eines Diplomaten in den Irak an, um sich um die Befreiung der verbliebenen Geiseln zu bemühen. Der Aufenthaltsort der Männer, die für eine amerikanische Sicherheitsfirma arbeiten, ist jedoch nicht bekannt.
Offenbar wurden erneut zwei Japaner als Geiseln genommen. Außenministerin Yoriko Kawaguchi sagte heute früh, entsprechende Medienberichte seien zwar unbestätigt, dennoch sehe es so aus, als seien zwei weitere Staatsbürger gekidnappt worden. Mehrere Zeitungen schrieben, eine japanische Journalistenorganisation sei am Mittwoch in einer E-Mail von einer "irakischen Quelle" über die Geiselnahme zweier Journalisten in einem Vorort Bagdads informiert worden. Seit vergangener Woche befinden sich schon drei Japaner in der Hand von Aufständischen. Diese drohten ebenfalls mit der Ermordung ihrer Geiseln, sollte Tokio seine Truppen nicht abziehen.
Die Kämpfe in der von US-Truppen belagerten Stadt Falludscha entfachten derweil aufs Neue. Mehr als hundert Aufständische attackierten ein gepanzertes Fahrzeug mit Panzerfäusten und Handgranaten. Die rund 20 angegriffenen Marineinfanteristen konnten in ein nahe stehendes Gebäude flüchten und wurden erst nach Stunden von einem Rettungsteam mit vier Panzern in Sicherheit gebracht. US-Kampfflugzeuge vom Typ AC-130 beschossen vermutete Aufständische.
US-Generalmajor James Mattis erklärte, eine neue Offensive stehe bevor. "Ich kann nicht vorhersagen, dass wir noch lange warten. Es ist schwer, eine Waffenruhe einzuhalten, wenn sie (die Aufständischen) gegen uns vorgehen und uns beschießen."
21.000 US-Soldaten werden wegen der angespannten Lage im Irak nicht wie geplant in diesem Monat aus dem Land abgezogen, wie das Verteidigungsministerium in Washington bekannt gab. Die Truppen müssten weitere drei Monate bleiben. Auch der Dienst für tausend in Kuweit stationierte Soldaten wird über die zwölf Monate hinaus verlängert.