Irak Kleine Fortschritte, große Rückschläge
New York - Größter politischer Erfolg war die Wahl einer Nationalversammlung mit 275 Abgeordneten am 30. Januar. Trotz des Terrors beteiligten sich unerwartet viele Menschen an der ersten freien Wahl im Irak seit mehr als einem halben Jahrhundert. Die Nationalversammlung ernannte im Februar eine Regierung.
Überdies gab es einige kleine Fortschritte. So hat sich die Zahl der Telefonanschlüsse und Internetnutzer fast verdreifacht, wie die Washingtoner Brookings Institution errechnete. Die Zahl der ausgebildeten Richter hat sich verdoppelt. Über ausreichend Elektrizität verfügen die Iraker wegen zahlloser Sabotageakte dagegen immer noch nicht.
Auch der blutige Aufstand hat nicht nachgelassen. Nach Schätzungen bekämpfen etwa 16.000 irakische und ausländische Extremisten die amerikanischen oder einheimischen Sicherheitskräfte und terrorisieren die Bevölkerung, um eine Stabilisierung der Demokratie zu verhindern. Ihre häufigste Methode: Selbstmordanschläge mit Autobomben. Seit dem 28. Juni 2004, als die US-Zivilverwalter die Souveränität übergaben, explodierten im Irak mindestens 482 Autobomben. Nach einer Erhebung der Nachrichtenagentur AP wurden dabei 2176 Menschen getötet und 5536 verletzt.
Auf Seiten der US-Streitkräfte gab es 885 Opfer, das sind mehr als die Hälfte aller seit Kriegsbeginn im März 2003 getöteten Amerikaner. Von den 187 ums Leben gekommenen Soldaten der Koalitionspartner starben 74 in den vergangenen zwölf Monaten.
Viele Regierungen haben inzwischen Daten für den Abzug ihrer Truppen genannt. Auch in den USA steigt der Druck von Republikanern und Demokraten, eine Rückzugsstrategie vorzulegen. Präsident George W. Bush lässt bislang jedoch keine Absicht erkennen, sein Irak-Engagement zu beenden. Am Freitag erklärte er nach einem Treffen mit dem irakischen Ministerpräsidenten Ibrahim al-Dschaafari: "Es gibt keinen Zeitplan für einen Abzug."
Eine Auflistung wichtiger Daten über den neuen Irak:
- 885 getötete US-Soldaten seit 28. Juni 2004
- 1735 getötete US-Soldaten seit 20. März 2003 (seit Kriegsbeginn)
- 74 getötete Soldaten der Koalitionstruppen (außer Amerikanern) seit 28. Juni 2004
- 187 getötete Soldaten der Koalitionstruppen seit Kriegsbeginn
- 12.000 getötete irakische Zivilpersonen seit Kriegsbeginn
- 16.000 Aufständische (Iraker und Ausländer) kämpfen im Irak (Schätzung vom Mai 2005)*
- 482 Autobomben seit 28. Juni 2004
- 2176 von den Bomben getötete Menschen
- 5536 von den Bomben verletzte Menschen
- 52 getötete Regierungsmitarbeiter, Beamte oder Geistliche (seit 28. Juni 2004)
- 200 entführte Ausländer (März 2003 bis Juni 2005)
- 14 entführte Amerikaner
- Vier getötete amerikanische Geiseln
- 17 Hubschrauberabstürze mit Toten seit Kriegsbeginn
- 45 Anschläge pro Tag im Juni 2004
- 70 Anschläge pro Tag seit Mai 2005
- 135.000 US-Soldaten sind im Irak
- 23.250 Soldaten anderer Staaten der Koalition sind im Irak
- 145.317 irakische Sicherheitskräfte im Juni 2004
- 168.581 irakische Sicherheitskräfte im Juni 2005
- 30 bis 40 Prozent Arbeitslosigkeit im Juni 2004*
- 27 bis 40 Prozent Arbeitslosigkeit im Mai 2005*
- Fünf Milliarden Dollar sind von einem im Juni 2003 beschlossenen Wiederaufbaupaket der USA in Höhe von 18.4 Milliarden Dollar noch übrig
- 1.200.000 Telefonanschlüsse (inkl. Mobiltelefone) im Juni 2004*
- 3.172.771 Telefonanschlüsse (inkl. Mobiltelefone) im Mai 2005*
- 59.000 Internetzugänge im Juni 2004*
- 147.076 Internetzugänge im Mai 2005*
- Zehn Stunden Strom pro Tag im Juni 2004*
- 9,4 Stunden Strom pro Tag im Juni 2005*
- 175 Richter im Juni 2004*
- 351 Richter im Mai 2005*
- 13 private Fernsehsender im Juni 2004*
- 23 private Fernsehsender im Mai 2005*
- 150 unabhängige Zeitungen und Magazine im Juni 2004*
- 170 unabhängige Zeitungen und Magazine im Mai 2005*
Die mit einem * gekennzeichneten Zahlen stammen aus dem Irak-Index der Brookings Institution
Robin Hindery, AP