Irak-Krieg Blair weicht aus
London - "Was wir im Irak taten, war richtig und gerechtfertigt. Und das ist ein Punkt, den wir im Lauf der Zeit beweisen müssen", sagte Blair in seinem Amtssitz in der Downing Street. Die Regierung müsse die Richtigkeit ihres Kurses sowohl "im Hinblick auf Massenvernichtungswaffen als auch in Bezug auf die Verbesserungen im Irak" belegen, behaupte der Premier.
Er setzte auf weitere Überzeugungsarbeit, sagte er und versprach, dass sich seine Regierung diesem Thema weiterhin stellen werde. Er akzeptiere, dass die Menschen wissen wollen, ob der Irak-Einsatz richtig und gerecht sei. Blair rechtfertigte den Krieg abermals mit den Menschenrechtsverletzungen unter Saddam Hussein. Die Mehrheit der Iraker würde sich durch seinen Sturz befreit fühlen, zeigte sich Blair überzeugt.
Blair führte die Versorgungsprobleme im Irak, etwa bei der Strom- und Wasserzufuhr, auf Sabotage durch Saddam-Anhänger zurück. Er antwortete nicht auf die Frage, ob er Saddam lieber tot oder lebendig hätte: "Das Wichtigste ist, dass er aufhört, den Fortschritt im Irak zu behindern."
Auf die Frage eines Reportes, wann er offen zugeben müsse , dass der Irak über keine Massenvernichtungswaffen verfügt hatte, antwortete er ausweichend. Die Suche amerikanische und britische Waffenexperten dauere noch an: "Sie haben uns noch keinen Bericht erstattet, lasst uns abwarten."
Zu der damit verbunden Frage nach seinem Rücktritt antwortete er lediglich, dass sein "Appetit" auf den Job des Premierministers so groß wie eh und je sei. Ob er noch eine dritte Legislaturperiode amtieren dürfe, hänge vom Wähler ab, sagte Blair.
Ein BBC-Reporter sagte nach der Pressekonferenz, Blair habe zu alter Form zurückgefunden und offenbar das Gefühl, "unbesiegbar" zu sein. Zurücktreten wolle er ganz offensichtlich nicht.
Zum Tod von Kelly erklärte Blair, dass sich sowohl die Medien als auch die Politiker Gedanken machen und ihr Handeln reflektieren müssten. "Wir müssen alle unsere Lektion lernen." Mit Hinweis auf den richterlichen Untersuchungsausschuss, der am Freitag seine Arbeit zu diesem Fall aufnehmen wird, lehnte er es ab, weiter auf Kelly einzugehen.
Im Streit mit der BBC schien Blair um eine Entschärfung bemüht. Alles was seine Regierung gewollt habe, sei, einen falschen Bericht richtig zu stellen, sagte er. Minister seines Kabinetts hatten zuvor damit gedroht, die BBC wegen ihrer kritischen Irak-Berichterstattung unter eine stärkere staatliche Kontrolle zu stellen.
Er sei nach wie vor davon überzeugt, dass die Geheimdienstinformationen korrekt seien, sagte Blair. Berichte, wonach sein engster Berater und Kommunikationschef Alastair Campbell zurücktreten will, ließ Blair in seiner letzten Pressekonferenz vor seinen Sommerferien unkommentiert.
Zur Nahost-Politik sagte Blair, Großbritannien sei ebenso wie die USA gegen den Bau einer Sperranlage, der Israel gegen palästinensische Terroranschläge abschotten soll. Man werde dieses Problem aber nur im Rahmen einer umfassenden Friedensregelung lösen können.