Irak: Leibwächter verriet Saddam - DER SPIEGEL
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Irak Leibwächter verriet Saddam

Saddam Hussein ist laut einem BBC-Bericht von einem Leibwächter verraten worden. Der inhaftierte ehemalige irakische Diktator hat sich unterdessen für den französischen Anwalt Jacques Verges als Verteidiger entschieden, der auch schon den Pariser Gestapo-Chef Klaus Barbie vor Gericht vertrat.
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London - Der Saddam-Leibwächter habe die US-Truppen zum Versteck des Ex-Machthabers geführt, heißt es in einem Bericht des britischen Senders. Das US-Oberkommando Mitte wollte die Angaben nicht bestätigen. Saddam war im Dezember 2003 in einem Erdloch nahe seiner Heimatstadt Tikrit gefasst worden.

Derweil ist offenbar nun endgültig klar, dass der französische Anwalt Jacques Verges Saddam in einem Prozess verteidigen wird. Saddams Neffe Ali Barsane habe ihm offiziell die Verteidigung übertragen, teilte Verges in Paris mit. Der Anwalt hatte bereits die Verteidigung des früheren irakischen Vize-Regierungschefs Tarik Asis übernommen.

Verges ist Experte für Verfahren um Kriegsverbrechen und Terrorismus. Er war im Jahr 2002 Anwalt des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. In früheren Jahren hatte er unter anderem den ehemaligen Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie, verteidigt.

Er verteidigte auch den venezolanischen Terroristen Carlos, den geständigen Serienmörder Charles Sobhraj und den wegen Völkermords angeklagten früheren Spitzenfunktionärs der kambodschanischen Roten Khmer, Khieu Samphan. Der ehemalige kambodschanische Staatschef hat erklärt, er kenne Verges seit den fünfziger Jahren, als beide in Studentenbewegungen gegen den französischen Krieg in Vietnam und französischen Kolonialismus aktiv gewesen seien.

Zur Vorbereitung eines Prozesses gegen Saddam war Anfang März eine Gruppe amerikanischer Juristen nach Bagdad gereist. Sie arbeiten Akten auf, die irakischen Strafverfolgungsbehörden als Grundlage für Kriegsverbrecherprozesse gegen die gestürzte Führung dienen könnten.

Allerdings gibt es für den Prozess noch keinen Zeitplan. Saddam wurde von US-Truppen am 14. Dezember gefangen genommen. Gegen ihn wurde noch keine Anklage erhoben.

US-Offensive gegen Aufständische

Unterdessen haben US-Marineinfanteristen in Falludschah eine Offensive gegen Aufständische begonnen, nachdem gestern bei stundenlangen Kämpfen ein Soldat getötet und sieben weitere verwundet wurden. Ein Kameramann des US-Fernsehsenders ABC sowie vier Iraker wurden ebenfalls in Falludschah getötet. "Einige haben beschlossen zu kämpfen", stellte das 1. Expeditionskorps der Marineinfanterie in einer Erklärung fest. "Nachdem sie ihr Schicksal gewählt haben, werden sie nun gestellt und zerstört."

Die Marineinfanterie hat die Kontrolle über die Region Falludschah gerade von US-Heereseinheiten übernommen. Falludschah, inmitten des so genannten sunnitischen Dreiecks gelegen, ist eines der Zentren des militanten Widerstands gegen die US-Besetzung. Dabei starben nach US-Angaben gestern insgesamt 18 Menschen.

Die Gewalt ging auch heute weiter: Bei der Explosion einer Bombe in Bagdad wurden fünf Iraker verletzt. Wie ein US-Militärsprecher mitteilte, detonierte der Sprengsatz, als zwei Geländewagen eine Straße im Stadtzentrum entlangfuhren. Die US-Streitkräfte riegelten die Gegend nach der Explosion ab. Bei einem Anschlag mit Katjuscha-Raketen auf das Rathaus von Mossul sind Polizeiangaben mindestens ein Zivilist getötet und mindestens sechs weitere Personen verletzt worden, darunter zwei irakische Polizeibeamte. Auch ein Kind sei von den explodierenden Geschossen verletzt worden.

Annan kündigt Untersuchung von Korruptionsvorwürfen an

Uno-Generalsekretär Kofi Annan kündigte an, einer Untersuchungskommission zu Korruptionsvorwürfen gegen Uno-Mitarbeiter uneingeschränkten Zugang zu Dokumenten der Vereinten Nationen zu verschaffen. Außerdem solle die Kommission alle Uno-Mitarbeiter vernehmen dürfen, die sie vernehmen wolle, schrieb Annan gestern in einem Brief an den Vorsitzenden des Weltsicherheitsrates, Jean-Marc de la Sabliere.

Im Januar war der Verdacht aufgekommen, Mitarbeiter des Öl-für-Lebensmittel-Programms in Irak hätten Bestechungsgelder akzeptiert. Damals hatte die irakische Zeitung "Al-Mada" eine Liste mit 270 Personen aus rund 50 Ländern veröffentlicht, die sich an irakischen Ölverkäufen während der Herrschaft Saddam Husseins bereichert haben sollen. Auf der Liste tauchte auch der Name des hochrangigen Uno-Mitarbeiters Benon Sevan auf, der das Öl-für-Lebensmittel-Programm leitete. Sevan bestritt die Vorwürfe.

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