Irak Massenflucht der Ausländer
Moskau - Sieben Flüge mit Flugzeugen des Zivilschutzministeriums plant die russische Regierung, um ihre Staatsbürger aus dem Irak zu holen. Derzeit halten sich 553 russische Staatsbürger im Irak auf. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, die Flugzeuge würden schon am Donnerstag nach Bagdad fliegen. In Sicherheit gebracht werden sollen auch 263 Bürger anderer ehemaliger Sowjetrepubliken, die im Auftrag russischer Firmen im Irak arbeiten.
Die Regierung in der japanischen Hauptstadt Tokio hat angesichts der vermehrten Geiselnahmen von Ausländern im Irak erneut ihre Landsleute zum Verlassen des Landes aufgefordert. Derzeit befänden sich neben den dort stationierten Soldaten noch rund 70 Japaner im Zweistromland, teilte ein Sprecher des Außenministeriums mit. Die Regierung hatte bereits 13 Mal in diesem Jahr an ihre Landsleute appelliert, den Irak zu verlassen. Derzeit befinden sich noch immer drei japanische Zivilisten - zwei Männer und eine Frau - in der Hand von Kidnappern. Diese hatten gedroht, ihre Geiseln zu verbrennen, sollte die Regierung in Tokio ihre rund 530 Soldaten nicht abziehen.
Immer mehr Südkoreaner wollen den Irak verlassen. Das Außenministerium in Seoul teilte mit, derzeit befänden sich noch 119 südkoreanische Staatsbürger im Irak, von denen weitere 38 bis zum kommenden Samstag das Land verlassen wollten. Bisher seien 44 Koreaner, darunter Mitarbeiter der Botschaft in Bagdad, von Unternehmen, Kirchen und Nichtregierungsorganisationen aus Irak abgereist. Sieben christliche Missionare aus Südkorea waren am vergangenen Donnerstag nach mehreren Stunden Geiselhaft von ihren irakische Entführern wieder frei gelassen worden. Südkorea will seine nicht-kämpfende Einheiten von etwa 600 Soldaten im Irak voraussichtlich bis zum Juni um weitere 3000 Soldaten aufstocken.
Über den Abzug ihrer rund 100 Mann starken Truppe denken auch die Philippinen nach. Zwar fühle man sich der internationalen Staatengemeinschaft und auch dem Wiederaufbau des Irak verpflichtet, doch gelte die höchste Sorge der Sicherheit der Friedenssoldaten im Irak, erklärte Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo. Nach Spanien haben auch Neuseeland und Thailand bereits einen Abzug ihrer Truppen aus dem Irak erwogen.
Vier verstümmelte Leichen gefunden
Das amerikanische Außenministerium teilte mit, im Irak seien vier verstümmelte Leichen gefunden worden. Um wen es sich bei den Toten handelte, blieb zunächst unklar. Die Leichen seien noch nicht identifiziert worden, sagte ein Sprecher des Ministeriums gestern Abend in Washington.
Nach einem Bericht des US-Fernsehsenders NBC wurden die Toten in einem Grab zwischen Falludscha und dem Bagdader Vorort Abu Ghraib gefunden. Ein US-Beamter sagte: "Es ist möglich, dass die Toten zu den vermissten sieben Amerikanern gehören."
Das US-Außenministerium teilte mit, es habe Kontakt mit den Familien der im Irak verschollenen sieben Mitarbeiter der Firma Kellogg Brown & Root (KBR) aufgenommen, obwohl über die Identität der Toten noch keine Informationen vorlägen. Seit einem Angriff auf einen US-Konvoi in der vergangenen Woche nahe Bagdad werden sieben Mitarbeiter von KBR und zwei US-Soldaten vermisst.
Union fordert Aufklärung des Todes der GSG-9-Beamten
Wegen des Todes zweier GSG-9-Beamter im Irak hat die Union Aufklärung gefordert. Fraktionsvize Wolfgang Bosbach sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", der Innenausschuss werde einen Bericht verlangen. Dabei gehe es um die Frage, warum für die beiden Sicherheitsbeamten der Landweg gewählt wurde und ob es Alternativen gab. "Die Gegend um Falludscha war als Hochburg der Aufständischen bekannt", wurde der CDU-Politiker zitiert.
Seit vergangenen Mittwoch werden die zwei aus Rheinland-Pfalz und aus Bayern stammenden Angehörigen der Grenzschutz-Sondereinheit vermisst. Das Auto der 27 und 38 Jahre alten Beamten war auf einer Konvoi-Fahrt zu einem Personalaustausch zur deutschen Botschaft nach Bagdad bei Falludscha angegriffen und laut Augenzeugenberichten getroffen worden. Eine offizielle Bestätigung ihres Todes gibt es jedoch trotz der Veröffentlichung eines Fotos einer der Leichen noch nicht.
Der rheinland-pfälzische CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Fuchs kritisierte den GSG-9-Einsatz. Fuchs sagte der "Bild"-Zeitung, ein solcher Auftrag sei eindeutig ein Job für das Militär. Es sei ein "Himmelfahrtskommando", zwei Männer in einem Geländewagen in einen solchen Einsatz zu schicken, fügte er hinzu. Abgeordnete von Union und FDP forderten, den beiden Beamten postum einen Orden zu verleihen. Das sei das mindeste, was Deutschland als Dank für deren selbstlosen Einsatz tun könne, wurde der CSU-Politiker Georg Fahrenschon zitiert. Auch der entwicklungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Markus Löhning, sprach sich für eine postume Auszeichnung aus.
"Die Strategie der Besatzung ist gescheitert"
Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Reinhold Robbe (SPD), hält die US-Strategie im Irak für gescheitert. Es zeige sich nun, dass die amerikanischen Truppen die Kräfteverhältnisse im Irak völlig falsch eingeschätzt hätten, sagte er der "Berliner Zeitung". Er könne nicht erkennen, wie unter diesen Umständen schon Ende Juni eine Übergabe der Macht an die Iraker erfolge könne. "Das größte Problem ist: Die Aufständischen haben alle Zeit der Welt, die Amerikaner nicht." Robbe betonte: "Die Strategie der Besatzung ist gescheitert."
Der SPD-Verteidigungsexperte plädierte dafür, die Vereinten Nationen im Irak einzubinden. Dazu müssten die USA "so schnell wie möglich auf Uno-Ebene eine Plattform finden". Die Diskussion über ein Engagement der internationalen Gemeinschaft dürfe aber nicht dadurch belastet werden, dass die USA - wie in der Vergangenheit - Vorbedingungen stellten.