Irak nach dem Krieg: "Schlacht um die Zukunft der muslimischen Welt" - DER SPIEGEL
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Irak nach dem Krieg "Schlacht um die Zukunft der muslimischen Welt"

George W. Bush wähnt sich auf historischer Mission: Mit einem Sieg gegen den Irak will er die arabische Welt in Richtung Demokratie bewegen, wie seine Vorgänger die Philippinen durch den Sturz von Diktator Marcos. Kritiker halten die Vision, die der Präsident heute in einer Rede darlegen will, für blauäugig. Wenn Bush wirklich Frieden wolle, müsse er den Nahostkonflikt lösen.
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Washington - Es ist eine Art positive Domino-Theorie: Plagte die Vereinigten Staaten im Kalten Krieg die beständige Angst, dass der Kommunismus sich wie ein Virus in der Welt ausbreiten könnte, so hoffen sie jetzt auf eine demokratische Kettenreaktion, die von einem demokratischen Musterstaat Irak ausgehen soll.

In einer Rede vor dem American Enterprise Institute will Präsident Bush heute Abend seine Vision für einen Irak nach dem Krieg darlegen, wie die "Washington Post" berichtet. Was nun anstehe, sei nichts Geringeres als die "Schlacht um die Zukunft der muslimischen Welt", zitiert die Zeitung den Präsidenten aus einer Vorabversion der Rede. Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz springt Bush zur Seite und zieht das US-Engagement auf den Philippinen zum historischen Vergleich heran. Dass die USA damals den Diktator Ferdinand Marcos gegen die demokratisch gesinnte Corazon Aquino austauschten, habe nicht nur den Philippinos geholfen, sondern in ganz Asien für Umdenken gesorgt. "Wenn es im befreiten Irak eine Regierung gäbe, die die Leute anständig behandelt, könnte das ein Zeichen setzen für den ganzen Nahen Osten", glaubt Wolfowitz.

Doch ganz so einfach wird es wohl nicht werden: Kritiker wie Shibley Telhami von der University of Maryland warnen, dass eine US-Invasion im Irak nur das imperialistische Bild bestätigen würde, das die meisten arabischen Länder ohnehin von den Vereinigten Staaten haben. Schließlich hatten frühere US-Regierungen stets auf die starken Männer in der Region gesetzt, weil die mit ihren autokratischen Systemen für Ruhe sorgten.

Fawaz Gerges, Nahost-Spezialist am Sarah Lawrence College, glaubt, dass es sich die USA zu einfach machen. Eine stabile neue Regierung einzusetzen oder gar 23 Millionen Irakis in Richtung Demokratie zu bewegen, sei eine komplexe Aufgabe, meint Gerges. "Wie die Regierung sich das vorstellt, das klingt eher nach einem Märchen."

Inzwischen sind aber auch nachdenklichere Stimmen zu hören. Um dem Nahen Osten demokratische Ideen nahe zu bringen, sagt Außenminister Colin Powell, müsse man sich auch um die 65 Millionen Analphabeten in der Region kümmern und um die zehn Millionen Kinder ohne Schulunterricht. Wenn die USA sich dieser Probleme nicht auch annähmen, so Powell, sei jeder Plan "auf Sand gebaut".

Es gäbe allerdings wohl einen Weg, wie sich die USA in der arabischen Welt neues Ansehen erarbeiten könnten: Das große ungelöste Problem der Region ist und bleibt der Nahost-Konflikt. Israels arabische Nachbarn sehen in der US-Außenpolitik eine bedingungslose Unterstützung für die Politik des Hardliners Ariel Scharon. Wenn sich die Regierung Bush hier wieder stärker und vor allem unparteiisch engagiere, könne das ihrer eigenen Reputation enormen Auftrieb bringen, meint Judith Kipper vom Zentrum für strategische Studien. "Die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern können, wenn überhaupt, nur die USA beenden. Wenn sie das schaffen, würde das dem Anti-Amerikanismus in der Region gehörig den Wind aus den Segeln nehmen."

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