Irak Opfer von Falludscha waren Paramilitärs
Berlin - Auf ihrer Internetseite präsentiert die Firma Blackwater stolz Luftaufnahmen ihres Trainingscamps: Eine 6000 Hektar großen Anlage umgeben von Wald. Bereits 25 000 Menschen habe man ausgebildet für Missionen der heiklen Art. Nur die Besten würden rekrutiert - meist altgediente Soldaten aus den Vereinigten Staaten oder anderen Ländern. In der Sonnenbrille eines Kämpfers spiegelt sich die Weltkarte. "Zur Unterstützung von Freiheit und Demokratie - überall" steht neben dem Foto.
Die starken Worte werden durch eine traurige Mitteilung ergänzt: "Wir trauern um vier Kollegen und beten für ihre Familien." Gemeint sind die vier Amerikaner, die am Mittwoch in der irakischen Stadt Falludscha auf grausamste Weise massakriert wurden. Was genau die Opfer zum Zeitpunkt der Tat gemacht haben, ist unklar. Die Firma, soviel ist bekannt, hat die Aufgabe, Nahrungsmittelkonvois zu sichern.
Der grauenhafte Vorfall ruft in Erinnerung, wie sehr das US-Militär dazu übergegangen ist, klassische Armeeaufgaben auszulagern. Die Frage stellt sich: Sind solche privaten Paramilitärs im Auftrag der US-Regierung fähig für einen Einsatz im Irak?
Die Umstände der Ereignisse von Falludscha lassen daran Zweifel aufkommen. Die Stadt gilt als Hochburg der Saddam-Anhänger. Die US-Marines, die letzten Monat die Verantwortung für die 56 Kilometer von Bagdad liegende Stadt übernommen haben, betreten die Stadt nur zu militärischen Operationen - heftige Feuergefechte haben sie sehr vorsichtig werden lassen.
Anders die Blackwater-Truppe. Bis heute ist unklar, warum die Amerikaner ohne Eskorte in einer so gefährlichen Gegend unterwegs waren. Kritiker der wachsenden Präsenz von Paramilitärs im Irak fühlen sich bestätigt: Es könne bezweifelt werden, ob diese privaten Militärs die nötige Qualität haben, um den Anforderungen im Irak gewachsen zu sein, sagt Philipp Mitchell, Militärexperte des "International Institute for Strategic Studies" in London.
Als Beispiel führt er die mangelnde Befehlsstruktur an: "Sie sind nicht der militärischen Disziplin unterworfen. Wer weiß denn, nach welchen Regeln sie das Feuer eröffnen?" Das Vorgehen der Privatarmeen sei kaum kontrollierbar. Zwar würden sie Aufgaben übernehmen, die sonst von den Streitkräften gemacht werden müssten, etwa die Bewachung von Ölpipelines, Hotels oder Nahrungsmittelkonvois - allerdings brächten sie auch neue Risiken mit sich.
Eines davon ist die mangelnde Professionalität. Denn es sind nicht nur ehemalige Elite-Offiziere mit geregelter Pension, die sich von den bis zu 1200 Dollar am Tag für den gefährlichen Einsatz gewinnen lassen. Diese Einwände halten die Streitkräfte der USA und Großbritannien dennoch nicht davon ab, zehntausende solcher privaten Soldaten im Irak anzuheuern - die Privat-Armeen stellen damit die zweitgrößte Truppe, noch vor den Briten mit 8700 Mann. Allein die britische Firma Erinys ist mit 100 ehemaligen Soldaten und 14.000 Irakis im Einsatz, etwa um Ölförderanlagen zu sichern. Die privaten militärischen Dienstleistungen seien mittlerweile Großbritanniens Exportschlager Nummer 1, meldet der "Economist".
Blackwater, das auch den Personenschutz für den US-Chefverwalter Paul Bremer stellt, schätzt, dass bis zu 25 Prozent der Ausgaben aus dem Budget des "Program Management Office", das die 18,6 Milliarden US-Dollar schwere amerikanische Aufbauhilfe verwaltet, an private Militärdienste fließen.
Um sich auch in Zukunft ein Stück von diesem Kuchen abzuschneiden wirbt die Firma auf ihrer Seite für Kurse im Trainingscamp: "Come to where the professionals train." Im Juni wird ein Schießkurs angeboten: "Ihre Reaktionen werden schneller, ihre Treffer genauer und ihr Selbstbewusstsein größer." Am besten solle man sich gleich heute einschreiben.
Militärexperte Mitchell glaubt, dass nach Falludscha die Zahl der Freiwilligen deutlich zurückgehen wird: "Die werden sich das jetzt zweimal überlegen, ob sie dieses Risiko eingehen wollen."