Irak Protestzug gegen US-Armee
Bagdad/Kairo - Die Demonstranten sprachen sich bei ihrem Protestzug dafür aus, den Gelehrten der schiitischen Religionsschule Hauza Ilmija in Nadschaf eine wichtige Rolle bei der Führung des Landes zu geben. Die rund 10.000 Iraker gehörten verschiedenen politischen Strömungen an, sagte ein Reporter des arabischen Fernsehsenders al-Dschasira. Ihre Slogans gegen die Anwesenheit der amerikanischen Soldaten seien jedoch die gleichen. US-Truppen beobachteten die Kundgebung vor einer sunnitischen Moschee im Stadtteil Asimijah, griffen aber nicht ein.
Einer der Organisatoren des Protests sagte, die Moschee sei als Versammlungsort gewählt worden, um Einigkeit zwischen Schiiten und Sunniten zu demonstrieren. Die Menge skandierte Parolen wie "Keine Schiiten und keine Sunniten, einfach islamische Einheit", einige Demonstranten führten Transparente mit der Aufschrift "Nein zur ausländischen Verwaltung" und Porträts des verstorbenen iranischen Ayatollah Ruhollah Chomeini mit sich. Von der Moschee zog die Menge ins nahe gelegene Kadhamija-Viertel, wo sich eine der heiligsten Stätten der Schiiten in Irak befindet.
Vor dem Gebäude der Stadtverwaltung versammelten sich am Montag rund 100 Beamte zu einer Protestkundgebung gegen die Wiedereinsetzung von ehemaligen Funktionären der Baath-Partei in ihre Ämter in der Verwaltung. Die Ingenieure drohten damit, die Wasserversorgung Bagdads zu unterbrechen, falls drei Generaldirektoren, die prominente Mitglieder in Saddam Husseins Baath-Partei gewesen seien, nicht von ihren Posten entfernt würden.
Unterdessen dementierte der US-Zivilverwalter für den Irak, Paul Bremer, Berichte, wonach die US-Regierung die Bildung einer Übergangsregierung im Irak auf unbestimmte Zeit verschieben wolle. Die Ernennung dieser Regierung werde so schnell wie möglich erfolgen, sagte er in Bagdad. Einige irakische Politiker erklärten, die Amerikaner planten eine Art Stammesversammlung nach dem Modell der afghanischen Loja Dschirga mit 500 Teilnehmern, die dann eine Übergangsregierung wählen solle.