Irak Rebellen infiltrieren Polizei
Washington - Die Rekrutierung und Sicherheitsüberprüfung von Polizeibewerbern sei mangelhaft, hieß es in einem jetzt veröffentlichten US-Regierungsbericht. Die Aufnahme von Kriminellen in die Polizeitruppe sei eine ständige Sorge, aber noch Besorgnis erregender sei die gezielte Infiltration durch Terroristen oder Aufständische, betonte der gemeinsame Bericht von Außen- und Verteidigungsministerium. Ein sechsköpfiges Inspektorenteam hatte Anfang des Jahres fünf Wochen lang die Ausbildungsprogramme für irakische Polizisten im Irak und Jordanien untersucht.
Dem Bericht zufolge gibt es genügend Hinweise für die Unterwanderung der verschiedenen Polizeidienstebenen durch Aufständische. Das Ausmaß der Infiltrierung sei jedoch unklar, sagte ein Vertreter des Außenministeriums, der anonym bleiben wollte. Die Mängel bei der Rekrutierung haben dem Bericht zufolge mehrere Ursachen: So werde der Schwerpunkt eher auf die Anzahl der Rekruten als auf die Qualität ihrer Ausbildung gelegt, der Finanzrahmen sei beschränkt und die Einschätzung der irakischen Regierung werde zu wenig berücksichtigt.
Dem Bericht zufolge können viele Rekruten kaum lesen, andere seien körperlich behindert. Dennoch bescheinigen die Inspekteure der irakischen Polizei erste Erfolge. Während der Wahlen im Irak hätten die Polizisten eine "gute Leistung" geliefert, in den Straßen seien sie deutlich präsenter und Umfragen zufolge genössen sie bei der irakischen Bevölkerung inzwischen mehr Respekt.
Al-Qaida warnt Sunniten
Die Terrorgruppe al-Qaida im Irak hat die Sunniten vor einer Beteiligung an dem für Oktober geplanten Referendum über die neue Verfassung gewarnt. Dies würde die sunnitischen Araber zu Ungläubigen machen und sie würden dann wie die Besatzungstruppen behandelt, kündigte die Organisation des Extremistenführers Abu Mussab al-Sarkawi heute im Internet an. Die Echtheit der Erklärung konnte zunächst nicht überprüft werden.
Al-Qaida im Irak reagierte damit auf jüngste Appelle einiger sunnitischer Führer, die die Minderheit aufriefen, sich an dem politischen Prozess im Irak zu beteiligen. Die Sunniten bilden den Kern der Aufständischen. "Die Behauptung, dass Wahlen der beste Weg seien, die Sunniten aus der aktuellen Krise zu retten, ist falsch und ohne Basis", hieß es in der Erklärung weiter. "Jeder, der sich daran beteiligt, ist ein Ungläubiger und Abtrünniger."
Vertreter der Sunniten hatten gestern ihren Boykott des Verfassungskonvents beendet. Die Verfassung soll bis zum 15. August von der Nationalversammlung verabschiedet und spätestens zwei Monate danach dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werden. Bis zum Jahresende sind dann erneut Parlamentswahlen vorgesehen. Die USA hoffen, dass die Bildung einer Regierung auf einer breiten Basis die politischen Spannungen im Land verringert und die Aufständischen schwächt.
Die Sunniten stellen 20 bis 30 Prozent der schätzungsweise 25 Millionen Iraker. Wegen eines weitgehenden Boykotts der Parlamentswahl im Januar sind sie im Parlament unterrepräsentiert. Die neue irakischen Verfassung dürfte der Religion eine bedeutende Rolle im Zivilrecht einräumen. Das geht aus dem Entwurf eines Kapitels hervor, der der Nachrichtenagentur AP vorliegt. Das dürfte auf Kritik von Frauenaktivistinnen stoßen, die einen Verlust von Rechten bei Heirat, Scheidung und in Erbfragen befürchten.