Irak: Saddam-Richter erschossen - DER SPIEGEL
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Irak Saddam-Richter erschossen

Ein Richter und ein Rechtsanwalt eines Sondergerichts für den irakischen Ex-Diktator Saddam Hussein und führende Mitglieder seines Regimes sind Opfer eines Attentats geworden. Es ist der erste Anschlag auf Mitglieder des aus 49 Juristen bestehenden Tribunals.
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Hamburg/Bagdad - Die Täter eröffneten nach Angaben des Innenministeriums das Feuer auf den kurdischen Richter Barwis Mohammed al-Merani, 59, und seinen Sohn Aryan al-Merani, 26, als diese gestern ihr Haus bei Bagdad verließen. Beide waren den Angaben zufolge sofort tot. "Er arbeitete für das Gericht. Er war mit Angelegenheiten betraut, die auch Saddam betreffen", sagte ein Sprecher des Ministeriums. Aryan al-Merani sollte bei dem Tribunal als Rechtsanwalt tätig werden. Sein Vater gehörte zu dem aus 49 Richtern bestehenden Tribunal, das für die Prozesse gegen Saddam Hussein und andere Spitzenfunktionäre des alten Regimes eingerichtet worden war.

Das Sondertribunal hatte am Montag seine Vorermittlungen gegen mehrere ranghohe Mitglieder des gestürzten Regimes abgeschlossen und kündigte an, bald fünf der Beschuldigten vor Gericht zu stellen. Ein Datum für den Beginn der Prozesse wurde noch nicht mitgeteilt. Zu den fünf ersten Personen, denen der Prozess gemacht werden soll, gehören Barsan Ibrahim al-Hassan, ein Halbbruder von Expräsident Saddam Hussein, sowie der frühere Vizepräsident Taha Jassin Ramadan. Die drei übrigen Beschuldigten waren Führungsmitglieder der Baath-Partei. Ihnen werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit einem Rachemassaker in der schiitischen Stadt Dudschail nördlich von Bagdad zur Last gelegt. Dabei waren mindestens 50 Iraker getötet worden. Vorausgegangen war ein fehlgeschlagenes Attentat auf Saddam Hussein.

Saddams Halbbruder Hassan wurde erst am Wochenende gefasst. Er war die Nummer 36 auf der amerikanischen Fahndungsliste der meistgesuchten Iraker und soll zu den wichtigsten Finanzierern der Aufständischen im Land gezählt haben. Die US-Regierung hatte ein Kopfgeld von einer Million Dollar auf ihn ausgesetzt.

Die Regierung in Bagdad erklärte: "Hassan hat an der Vorbereitung, Aufsicht und Durchführung zahlreicher Terroranschläge im Irak mitgearbeitet." Irakischen Angaben zufolge wurde er in Hasaka im Nordosten Syriens nahe der Grenze zum Irak festgenommen. Die syrischen Behörden hätten ihn zusammen mit 29 anderen Mitgliedern der inzwischen aufgelösten Baath-Partei überstellt.

Während der Herrschaft Saddam Husseins war Hassan unter anderem Chef des Sicherheitsdirektoriums, das für die Verfolgung oppositioneller Parteien verantwortlich war. Der Halbbruder des Expräsidenten soll während seiner Amtszeit Regimegegner gefoltert und getötet haben. Zuletzt war er Berater Saddam Husseins.

Unterdessen erschienen in der nordirakischen Stadt Tikrit die Polizisten heute aus Protest gegen die Festnahme mehrerer Offiziere durch die US-Armee nicht zur Arbeit. Nach Angaben aus Polizeikreisen waren die Offiziere gestern von den Amerikanern abgeführt worden, nachdem die Soldaten Waffen im Polizeidirektorat beschlagnahmt hatten. Der Polizeichef der Provinz Salaheddin, Misher al-Ghanna, sagte: "Die US-Truppen wollen nicht, dass sich die Lage im Irak stabilisiert". Die Terroristen seien ohnehin besser bewaffnet als die Polizei.

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