Irak: Sistani in Nadschaf eingetroffen - DER SPIEGEL
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Irak Sistani in Nadschaf eingetroffen

Der schiitische Großajatollah Ali Husseini al-Sistani ist zu Verhandlungen im umkämpften Nadschaf angekommen - und mit ihm mehrere Tausend Glaubensbrüder. Bei seiner Ankunft wurde der Konvoi des Geistlichen unter Beschuss genommen, zehn seiner Anhänger sollen ums Leben gekommen sein.
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Nadschaf - "Wir sind jetzt in Nadschaf", sagte Hamed al-Chafaf, ein Mitarbeiter Sistanis. Der 75-jährige Geistliche, der erst gestern aus London in den Irak zurückgekehrt war, will sich um ein Ende des Konflikts in Nadschaf bemühen.

Der Geistliche begab sich nach seiner Ankunft sofort in eines seiner Häuser nahe der Imam-Ali-Moschee. Er soll bereits Verhandlungen aufgenommen haben, um die Anhänger des radikalen Predigers Muktada al Sadr zu einem Abzug aus der Imam-Ali-Moschee zu bewegen. "Al Sadr hat alle Bedingungen Sistanis akzeptiert und wird ihn willkommen heißen", sagte al-Sadrs Sprecher, Ahmed al-Schibani, in Nadschaf.

Zur Unterstützung der Friedensinitiative verkündete der irakische Ministerpräsident Ijad Alawi eine 24-stündige Feuerpause für Nadschaf. "Dies ist die letzte Chance für ein Ende des Blutvergießens", sagte er.

Doch ein Ende der Gewalt war zunächst nicht in Sicht. Bei der Ankunft Sistanis schossen Unbekannte auf seinen Konvoi. Das berichtete der arabische Nachrichtensender al-Arabija. Zehn Anhänger des Großajatollahs kamen nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters dabei ums Leben.

Mindestens 27 Menschen wurden zuvor beim Angriff auf die größte Moschee der Stadt Kufa getötet, 63 wurden nach Klinikangaben verletzt. Dort hatten sich zu dem Zeitpunkt mehrere Tausend Menschen in und außerhalb des Gebäudes aufgehalten. "Wir bereiteten uns darauf vor, nach Nadschaf aufzubrechen, als zwei Mörsergranaten einschlugen", sagte ein Augenzeuge. Kufa gilt als weitere Hochburg des schiitischen Predigers Muktada al-Sadr. Wer die Granaten abgefeuert hat, ist noch unklar.

Ein Berater Sadrs machte die amerikanischen Truppen für den Angriff verantwortlich, was eine US-Militärsprecherin zurückwies. Sie erklärte, auch in der Vergangenheit habe es schon mehrfach willkürliche Angriffe von Extremisten gegeben.

Wenige Stunden später wurde die Menschenmenge auf ihrem Weg von Kufa nach Nadschaf aus einer Kaserne beschossen, die irakischen und amerikanischen Truppen als Stützpunkt dient. Auch dabei kamen Augenzeugen zufolge mindestens 20 Menschen ums Leben, 46 wurden verletzt.

Sistani, der zu dem Marsch aufgerufen hatte, war heute früh von Basra aus nach Nadschaf aufgebrochen. Der 75-Jährige fuhr in einem Konvoi von 30 Fahrzeugen bis in die 360 Kilometer nördlich gelegene Stadt, deren Tore er am Mittag durchfuhr.

Mehrere Tausend Menschen hätten sich dem Konvoi angeschlossen, teilte ein Berater des Geistlichen mit. Muktada al-Sadr habe signalisiert, dass er den Friedensplan des Ajatollahs akzeptieren werde. Sollten die Kämpfer al-Sadrs die heiligen Stätten Nadschafs friedlich verlassen, werde ihnen Straffreiheit gewährt. Auch Sadr werde freies Geleit erhalten, erklärte Alawi.

Die Pilgerstadt ist schon seit drei Wochen heftig umkämpft. Rund um die Imam-Ali-Moschee von Nadschaf haben sich Mitglieder der radikalen Mahdi-Miliz al-Sadrs verschanzt, umstellt von irakischen und amerikanischen Truppen.

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