Irak: Terrorgruppe bekennt sich zu weiterer Geisel-Enthauptung - DER SPIEGEL
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Irak Terrorgruppe bekennt sich zu weiterer Geisel-Enthauptung

Die Gruppe Ansar al-Sunna bezichtigt sich selbst, im Irak einen arabisch-stämmigen Spion enthauptet zu haben. Von der angeblichen Hinrichtung wurde eine Serie unscharfer Einzelbilder veröffentlicht. Der mutmaßliche Agent soll im Auftrag der USA als Journalist getarnt die Mudschahidin ausgespäht haben.
Von Yassin Musharbash
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Berlin - Das nur wenige Zeilen umfassende Bekennerschreiben tauchte bereits heute Morgen auf der Internetseite der Terrorgruppe Ansar al-Sunna auf. "Einer Gruppe von Mudschahidin ist es mit der Erlaubnis Gottes gelungen, den Spion Dschamal Taufiq Sliman zu entführen", heißt es in dem Dokument, das SPIEGEL ONLINE vorliegt. "Nach Beendigung der Untersuchung und seinem Geständnis (...) haben wir (...) das göttliche Urteil an ihm vollstreckt, und die angehängten Bilder zeigen den Vorgang seiner Tötung."

Insgesamt fünf Bilder, grobkörnig und schwarz-weiß, sind dem Bekennerbrief angehängt; auf dem ersten ist das mutmaßliche Opfer zu erkennen, auf den übrigen vier Aufnahmen wird einem Mann, dessen Kopf verbunden ist, offenbar die Kehle durchtrennt. Noch fehlt jede unabhängige Bestätigung für die Hinrichtung.

Die Gruppe Ansar al-Sunna behauptet in dem Schreiben weiter, der Mann besitze seit 1980 die US-Staatsbürgerschaft. Die US-Geheimdienste hätten ihn damit beauftragt, die Mudschahidin und ihre Anhänger im Irak auszuspionieren, um diese später festnehmen zu können.

"Affen und Schweine"

Einige Details dieser Geschichte erscheinen allerdings dubios. Die US-Geheimdienste hätten den Mann zur Tarnung einer Gruppe polnischer Journalisten angeschlossen, schreiben die Terroristen. Eine nicht sonderlich glaubwürdige Behauptung, denn die wenigsten Reporter dürften Zugang zu Mudschahidin-Stützpunkten haben, und schon gar nicht in Gruppen.

Noch ungereimter erscheint die Behauptung, der Mann habe bei Erhalt seiner US-Staatsbürgerschaft auch seinen Namen geändert und hieße seitdem Chalid Abd al-Masih. Dieser Name bedeutet übersetzt Chalid, "der Diener des Messias", beziehungsweise "der Diener Christi". Das wäre ein sehr ungewöhnlicher arabischer Name, der auch unter arabischen Christen nicht verbreitet ist.

Sinn ergibt dieser ausgedacht wirkende Name nur als Versuch, das Opfer als Christen zu kennzeichnen und zu diffamieren. Das würde zu einer anderen Stelle in dem Bekennerschreiben passen, in der von "den Affen und den Schweinen" die Rede ist, wo es um die Juden und die Christen geht - eine unter Islamisten nicht ungebräuchliche Schmähung.

Die Gruppe Ansar al-Sunna (etwa: Unterstützer des sunnitischen Islam) ist einschlägig bekannt, allerdings vor allem für zahlreiche Sprengstoff- und Selbstmordanschläge im Irak. Sie gilt als radikale Untergruppierung von Ansar e-Islam und hat ihre Basis im Nordirak. Die Mitglieder sind Kurden und arabische Sunniten. Ansar al-Sunna greift auch in innerkurdische Kämpfe ein, zuletzt am 1. Februar, als Attentäter das Hauptquartier einer kurdischen Partei angriffen und 109 Menschen töteten.

Beziehungen zu Sarkawis Terrorgruppe?

Der Anführer der Gruppe, der sich mit dem Titel "Amir", Befehlshaber, schmückt, heißt Abu Abdallah al-Hasan Ibn Mahmud. Über ihn ist so gut wie nichts bekannt. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass seine Gruppe zumindest lose Verbindungen zur Gruppe al-Tawhid wa al-Dschihad unterhält, die von Abu Mussab al-Sarkawi geführt wird. Sarkawi wiederum gilt als Statthalter des Qaida-Gründers Osama Bin Laden im Irak; auf das Konto seiner Terrorgruppe gehen mindestens drei brutale Enthauptungen von Geiseln im Irak.

Ansar al-Sunna war erst vor zwei Tagen erneut in die Schlagzeilen geraten, als auf der Internetseite der Terrorgruppe Bilder von zwölf nepalesischen Geiseln auftauchten. Die nepalesische Regierung bestätigte mittlerweile, dass die Männer vermisst werden. Über ihr Schicksal ist noch nichts bekannt.

Vor wenigen Monaten hatte Ansar al-Sunna eine undurchsichtige Rolle bei der Entführung und Freilassung eines libanesisch-stämmigen US-Soldaten im Irak. Zwischenzeitlich hatte die Gruppe behauptet, den Mann ebenfalls enthauptet zu haben, später dementierte sie diese Meldung. Der Soldat tauchte anschließend in der US-Botschaft im Libanon auf.

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