Irak US-Armee startet Operation "Lightning Hammer"
Bagdad/Washington/Tokio - Als Teil der neuen Großoffensive "Operation Lightning Hammer" haben irakische und US-Truppen einen Vorstoß in der Provinz Dijala unternommen. Dort seien seit der Nacht zum Dienstag 16.000 Soldaten beider Nationen gegen die islamistische Qaida-Zellen im Einsatz, teilte das US-Militär mit. Begonnen habe die Operation mit Luftangriffen.
Der Vorstoß ziele auf Extremisten, die nach früheren Gefechten aus der Provinzhauptstadt Bakuba geflüchtet und untergetaucht seien. Gestern hatten die Alliierten den Beginn der Offensive "Phantom Strike" bekanntgegeben. Bislang sind kaum Einzelheiten dazu bekannt geworden.
Die Amerikaner versuchen eine positivere Bewertung ihres Kampfes im Irak zu erreichen. Mitte September soll der Oberkommandierende der US-Streitkräfte im Irak der amerikanischen Öffentlichkeit seinen mit Spannung erwarteten Zwischenbericht vorlegen. Wegen dieses Berichts hat US-Präsident George W. Bush nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo seine geplanten Reisen nach Japan und Singapur abgesagt. Kyodo meldete unter Berufung auf US-Regierungskreise, Bush werde nun nach dem Apec-Gipfel Anfang September in Sydney nicht in der Region bleiben. Weder die US-Botschaft in Tokio noch das japanische Außenministerium nahmen zu der Meldung Stellung.
Heute wurde eine strategisch wichtige Brücke von Bagdad durch eine Autobombe schwer beschädigt. Wie die irakische Polizei mitteilte, wurden bei dem Selbstmordangriff mit einem Tanklastzug nahe Taidschi mindestens zehn Menschen getötet und sechs verletzt. Ein Teil der Brücke stürzte ein. Mindestens drei Autos stürzten in den Tigris. Die Brücke war bei einem früheren Anschlag bereits beschädigt worden. Sie steht im Norden Bagdads und ist die wichtigste Verbindung in Richtung Nordirak.
Aufständische haben im Irak vier amerikanische Soldaten getötet. Das US-Militärkommando in Bagdad teilte mit, drei Soldaten seien gestern ums Leben gekommen, als in der nördlichen Provinz Ninive ein Sprengsatz neben ihrem Fahrzeug explodiert ist. Ein vierter Soldat sei bei dem Angriff verletzt worden. Am selben Tag starb laut US-Militär zudem ein Soldat bei einem Gefecht im Westen der irakischen Hauptstadt.
Im August wurden damit nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP, die auf Zahlen des Pentagon beruht, mindestens 33 US-Soldaten im Irak getötet, insgesamt starben demnach 3688 Soldaten.
Nach Ansicht des früheren Ministerpräsidenten Ijad Alawi braucht das Land eine neue Regierung. Die derzeitige Führung schaffe es nicht, das Abrutschen des Irak in ein allumfassendes Chaos zu verhindern, sagte er dem öffentlich-rechtlichen Hörfunk der USA. Die aktuelle Regierung verstärke die Probleme des Landes sogar, klagte Alawi. Wichtig sei für den Irak daher eine Regierung, die nicht konfessionsgebunden sei. Allawi steht der gemischten sunnitisch-schiitischen Irakischen Nationalen Liste vor, deren Minister seit Anfang August die Arbeit des Kabinettes von Ministerpräsident Nuri al-Maliki boykottieren.
Alawi gilt als Freund der USA, die in den ehemaligen Regierungschef offenbar viel Vertrauen legen. Er stellt sich selbst als weltlicher Politiker dar, der die politischen Spannungen im Irak überwinden könnte.
asc/Reuters/dpa/AFP