Irak: Weitere Anschläge in Bagdad - DER SPIEGEL
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Irak Weitere Anschläge in Bagdad

In einem Wohngebiet von Bagdad sind am frühen Morgen drei Geschosse eingeschlagen. Dabei wurde eine Person schwer verletzt. Die fast zeitgleichen Attacken folgten einen Tag nach zwei verheerenden Anschlägen auf schiitische Heiligtümer in Bagdad und Kerbela.
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Bagdad - Die irakischen Behörden hatten nach den gestrigen Anschlägen eine dreitägige Trauer ausgerufen und zur Ruhe aufgerufen. Gestern hatten sich die fast zeitgleichen Detonationen gegen schiitische Gläubige gerichtet, die sich zu Zehntausenden anlässlich ihres Aschura-Festes versammelt hatten. General Mark Kimmitt, Sprecher der US-Besatzungskräfte im Irak, sieht die Terrororganisation al-Qaida hinter den Attentaten in Bagdad und Kerbela. Im CNN-Fernsehen sagte er, Hauptverdächtiger sei Musab al-Sarkawi, der Chef des Terrornetzwerkes im Irak.

Mittlerweile haben irakische Polizisten und US-Truppen im Zusammenhang mit den Anschlägen 15 Personen festgenommen. Unter den Verdächtigen befänden sich möglicherweise mehrere Iraner, sagte ein Regierungsbeamter heute in Bagdad. Im Gegensatz zu Kimmitt waren andere Ermittler noch im Unklaren, wer hinter der tödlichsten Anschlagsserie seit Ende der Kampfhandlungen im Mai steckt. Über die Opferzahl der Anschläge auf Heiligtümer in Kerbela und Bagdad gab es widersprüchliche Angaben. Die US-Zivilverwaltung senkte die Zahl am Mittwoch von 143 auf 117. Nach inoffiziellen irakischen Berichten wurde mit bis zu 230 Toten gerechnet. Schätzungen über die Zahl der Verletzten variierten zwischen 300 und 400.

Bei einer schiitischen Wallfahrtsstätte im Bagdader Außenbezirk Kadhimija hatten gestern nach Angaben der lokalen Miliz drei Selbstmordattentäter in der Menge ihre Sprengstoffgürtel gezündet. 58 Menschen kamen dabei laut Kimmitt ums Leben.

Zur selben Zeit riss ein Selbstmordattentäter in Kerbela laut Kimmitt 85 Menschen mit in den Tod. Unter den Opfern seien zahlreiche Pilger aus dem Nachbarland Iran, berichtete die iranische Nachrichtenagentur IRNA.

Regierungsrat verschiebt Zeremonie für Interimsverfassung

Der irakische Regierungsrat hat unterdessen die für heute geplante feierliche Unterzeichnung der am Montag vereinbarten Übergangsverfassung wegen der blutigen Anschläge verschoben. Mit Rücksicht auf die allgemeine Trauer werde das Dokument voraussichtlich erst an diesem Freitag unterzeichnet, sagte Regierungsratsmitglied Radscha al-Chusai in Bagdad.

Mehrere zehntausend Schiiten demonstrierten heute Vormittag in Kadhimija. Wie ein dpa-Mitarbeiter berichtete, verurteilten sie das Massaker vom Vortag und brachten ihre Abscheu für die Täter und deren Hintermänner zum Ausdruck.

Auch die radikal-islamische Hamas-Organisation verurteilte die Anschläge. Die Täter beabsichtigten, die Iraker gegeneinander aufzuwiegeln, hieß es in einer in Gaza-Stadt verbreiteten Erklärung. "Wir verurteilen die Explosionen, die in Kerbela und Kadhimija in Bagdad hunderte unschuldiger Zivilisten getroffen haben, die des Märtyrertums von Imam Hussein gedachten", teilte Hamas mit.

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