Irakkrieg Powell wankt
Washington - Ausgerechnet der Mann, der der Uno die vermeindlichen Beweise für die Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen präsentiert hat, zweifelt nun sowohl an deren Existenz als auch am Sinn des Feldzuges gegen Saddam. Auf die Frage, ob er sich für den Krieg ausgesprochen hätte, wenn bekannt gewesen wäre, dass der Irak keine Massenvernichtungswaffen hatte, antwortete Powell: "Ich weiß es nicht, weil (Waffen)-Lager das letzte entscheidende Glied waren, das es mehr zu einer echten und akuten Gefahr für die Region und die Welt machte."
In dem Interview der "Washington Post" verteidigte der Außenminister zugleich die Politik der US-Regierung. Er erklärte, der gestürzte irakische Präsident Saddam Hussein habe die Absicht gehabt habe, biologische und chemische Waffen zu erwerben. Die Geschichte werde zeigen, dass die Entscheidung zum Krieg richtig gewesen sei.
Powell hatte in seiner Rede vor dem Uno-Sicherheitsrat am 5. Februar 2003 detaillierte Informationen über angebliche irakische Massenvernichtungswaffen vorgelegt und damit der Welt die Begründung für einen Krieg gegen den Irak präsentiert. Wie die "Post" berichtete, versuchte Powell in dem Interview nun die damalige Begründung mit der heutigen Realität in Einklang zu bringen. Er gestand aber ein, dass die "Abwesenheit von (Waffen)-Lagern die politische Berechnung verändere".
Der Minister reagierte mit dem halbstündigen Interview auf die Erkenntnisse des zurückgetretenen US-Chefwaffeninspektors David Kay, der dem Kongress in Washington kürzlich erklärt hatte, dass Bagdad zu Kriegsbeginn wahrscheinlich keine Massenvernichtungswaffen besessen habe. Präsident George W. Bush hatte am Vortag erstmals einer Untersuchung der Geheimdienstinformationen über angebliche irakische Massenvernichtungswaffen zugestimmt. Bush bestätigte, dass er eine unabhängige Kommission einberufen werde.