Iraks Uno-Botschafter: "Das Spiel ist aus" - DER SPIEGEL
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Iraks Uno-Botschafter "Das Spiel ist aus"

Als die Statue von Saddam Hussein vom Sockel stürzte, saß US-Präsident Bush im Weißen Haus und sah sich das Spektakel im Fernsehen an. Mit der Einnahme Bagdads durch die US-Armee scheint das Regime des irakischen Diktators beendet. Der irakische Uno-Botschafter al-Duri gestand die Niederlage ein: "Das Spiel ist aus."
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Washington - "Sie haben ihn heruntergebracht", rief George W. Bush im Vorbeigehen seinen Mitarbeitern zu, als er zu einem Treffen mit dem slowakischen Präsidenten Rudolf Schuster eilte, berichtetet CNN. Die Saddam-Statue vor dem Hotel "Palestine" im Herzen der irakischen Hauptstadt war am frühen Abend mit Hilfe von US-Marines vom Sockel gestürzt worden.

Die USA haben aber nach den Worten von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im Irak noch vieles zu erledigen. So müssten Saddam Hussein und seine Söhne gefunden werden, sagte Rumsfeld in Washington.

Zudem sei es wichtig, die nördlichen Ölfelder zu sichern. Und es müssten Massenvernichtungswaffen gefunden und die Wege aufgedeckt werden, die es Bagdad ermöglichten, sie zu entwickeln. Rumsfeld erklärte, die Iraker, die die Amerikaner dabei unterstützten, würden belohnt.

Der irakische Uno-Botschafter Mohammed al-Duri hat inzwischen die militärische Niederlage seines Landes gegen die von den USA geführten alliierten Truppen eingeräumt. "Das Spiel ist aus", sagte der Botschafter vor Journalisten in New York. Er äußerte die Hoffnung, dass das irakische Volk in Zukunft in Frieden leben könne.

Auf die Frage, was er mit der Formulierung "das Spiel aus aus" meine, sagte der Botschafter: "Den Krieg." Und nach Präsident Saddam Hussein gefragt, erklärte al-Duri, er habe keine Beziehung zu Saddam Hussein. Außerdem habe er wegen des Krieges schon längere Zeit keinen Kontakt mehr nach Irak gehabt.

Rumsfeld äußerte sich erfreut und erleichtert über den Fall Bagdads. "Das ist ein sehr guter Tag." Angesichts der Jubelszenen in der irakischen Hauptstadt fühle er sich an den Fall der Berliner Mauer erinnert. Saddam habe nun einen "rechtmäßigen Platz" neben Hitler, Stalin und anderen Diktatoren eingenommen.

Wie zuvor andere US-Regierungsvertreter warnte auch Rumsfeld, dass der Krieg noch nicht vorbei sei. Es lägen noch viele Herausforderungen und mögliche Gefahren vor den alliierten Streitkräften, die ihre Aufgabe bisher auf eine "spektakulär" gute Weise erfüllt hätten.

Anders als Bagdad seien andere irakische Städte noch umkämpft, sagte Rumsfeld. Außerdem seien die US-Truppen noch auf der Suche nach sieben amerikanischen Kriegsgefangenen sowie nach Massenvernichtungswaffen.

US-Generalstabschef Richard Myers erklärte, es gebe nach wie vor irakische Todesschwadronen, die im Westen von Bagdad operieren sowie Widerstandsnester im Norden. "Wir dürfen und sollten uns nicht zu sicher fühlen", sagte er.

"Dieser Konflikt ist noch nicht vorbei", warnte auch der britische Premierminister Tony Blair in London. Von einem Sieg im Irak sei erst zu sprechen, wenn in wesentlichen Teil des Landes keine Gewalt mehr herrsche und die letzten Reste der bisherigen Herrschaft verschwunden seien, sagte ein Sprecher Blairs.

Blair hatte zuvor vor dem Parlament davor gewarnt, dass die Invasionstruppen noch immer auf Widerstand träfen. Dieser werde zwar nicht von der breiten Bevölkerung getragen, "aber von denjenigen aus Saddams Regime, die sich an die Macht klammern." "Es ist zum jetzigen Zeitpunkt extrem schwer zu sagen, was von den höheren Rängen der irakischen Führung unter Saddam noch übrig geblieben ist", fügte er hinzu.

Es sei nicht zu sagen, "wie schnell dieser Krieg zu Ende gehen wird", sagte auch Bushs Stellvertreter Dick Cheney. Der Einschätzung des US-Militärs zufolge stehe der Irak nun an einem Wendepunkt, und die Bevölkerung des Landes beginne zu begreifen, dass die Macht von Präsident Saddam Hussein zu Ende sei.

"Die Szenen, die die Leute im Fernsehen verfolgen, sind eindeutig ermutigende Zeichen für den militärischen Fortschritt", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, unter Hinweis auf den Sturz der Statue. "Das ist ein historischer Moment."

Unter Hinweis auf die Fernsehbilder aus der irakischen Hauptstadt sagte Fleischer: "Was sie da sehen, ist nur ein Teil von Bagdad. Es bleiben noch eine Menge Bereiche in Bagdad, die für unsere Soldaten gefährlich sind." Bush bleibe sehr vorsichtig, "weil er weiß, dass noch immer große Gefahren vor uns liegen können", sagte er. "So gut die Dinge auch laufen, befinden wir uns immer noch in einer Militäroperation, bei der Menschenleben auf dem Spiel stehen", fügte er hinzu.

Die US-Armee bestätigte diese Einschätzung der militärischen Lage. Es gebe noch Reste der bisherigen irakischen Führung und sie verfüge noch über bestimmte militärische Möglichkeiten, sagte Brigadegeneral Vincent Brooks im Hauptquartier der Invasionstruppen in Katar. Der Feldzug habe nun aber einen Punkt erreicht, an dem sich in der Bevölkerung die Gewissheit durchsetze, dass Saddams Regierung die Macht nicht mehr wie bisher ausübe.

US-Regierungsvertreter werden nach Angaben von US-Vizepräsident Richard Cheney am Samstag im Südirak mit irakischen Vertretern über den Aufbau einer Übergangsregierung beraten. Die USA wollten Repräsentanten der irakischen Gesellschaft aus ganz Irak zusammenbringen, um über die Zukunft einer irakischen Übergangsregierung zu beraten, sagte Cheney in New Orleans vor US-Zeitungsredakteuren. Das Treffen finde in der südirakischen Stadt Nassirija statt. US-Außenminister Colin Powell hatte am Montag erklärt, eine US-Delegation werde noch diese Woche in den Irak reisen, um zu prüfen, was für den Aufbau einer Übergangsregierung nötig ist.

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