Iran Proteste werden zum Flächenbrand
Teheran/Paris - Bei den Protestaktionen kam es am Mittwoch zu teilweise gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur IRNA wurden landesweit insgesamt mindestens 170 Demonstranten festgenommen. Einige von ihnen seien später wieder auf freien Fuß gesetzt worden.
Allein in der Stadt Tabris im Nordwesten Irans wurden den Angaben zufolge in den frühen Morgenstunden rund 90 Menschen festgenommen. Dort hatten Hunderte vor der Universität protestiert. In der Stadt Mesched im Nordosten, wo Sicherheitskräfte Demonstranten auseinander trieben, seien 30 Menschen festgenommen worden, meldete die Agentur. In der mitteliranischen Stadt Yazd wurden etwa 50 Demonstranten in Polizeigewahrsam genommen. Ihnen wurde die Störung der öffentlichen Ordnung vorgeworfen. Nach offiziellen Angaben sind seit dem Beginn der regimekritischen Proteste vor einer Woche damit inzwischen mindestens 420 Menschen festgenommen worden.
Gewalt zwischen Islamisten und Demonstranten
Nach Angaben von IRNA gab es auch in der westiranischen Provinz Kermanschah Zusammenstöße zwischen protestierenden Studenten und der Polizei. Dabei seien mehrere Studenten verletzt worden.
In der Hauptstadt hätten Anwohner im Stadtteil Pars Islamisten daran gehindert, Satellitenschüsseln abzubauen. Dabei sei es zu Auseinandersetzungen gekommen. Islamisten hätten zudem die Scheiben mehrerer Autos eingeschlagen, deren Besitzer gehupt hatten. Damit bringen die Autofahrer ihre Solidarität mit den Demonstranten zum Ausdruck. Die Proteste richten sich gegen das geistige Oberhaupt des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, jedoch auch gegen den gemäßigten Präsidenten Mohammed Chatami, der die in ihn gesetzten Erwartungen auf durchgreifende politische Reformen nicht erfüllen konnte.
Anders als die USA setzt die Bundesregierung weiter auf den politischen und wirtschaftlichen Dialog mit der derzeitigen iranischen Führung. Parallel dazu müsse Teheran jedoch zunehmend angehalten werden, seine Verpflichtungen zu erfüllen, verlautete am Mittwoch aus dem Kanzleramt. Dazu gehöre vor allem Klarheit über das iranische Nuklearwaffenprogramm.
Demonstrantin zündete sich selbst an
In Frankreich hat sich eine iranische Demonstrantin selbst in Brand gesteckt. Am Tag zuvor hatte eine Großrazzia gegen die iranischen Volksmudschaheddin stattgefunden. Wie die Polizei mitteilte, übergoss sich die etwa 40 Jahre alte Iranerin am Mittwoch vor dem Sitz der französischen Gegenspionage DST in Paris mit einer brennbaren Flüssigkeit und entzündete sie mit einem Streichholz. Die Frau erlitt schwere Verbrennungen an Gesicht und Oberkörper. Ein Passant wurde von den Flammen am Arm schwer verletzt.
Auch vor der französischen Botschaft in Bern versuchte am Mittwoch ein Iraner, sich selbst zu verbrennen. Die Polizei überwältigte den Mann jedoch, nachdem er sich mit Benzin übergossen hatte. Vorausgegangen war eine Kundgebung von gut einem Dutzend Iranern.