Iran Reformer Chatami vor neuem Sieg
Teheran - Die 37.000 Wahllokale öffneten am Freitag um 6.30 Uhr MESZ. Rund 42 Millionen Stimmberechtigte haben bis 16.30 MESZ Zeit zu wählen. Ein Endergebnis wird nicht vor Sonntag erwartet.
Chatami kann nach jüngsten Umfragen mit 75 Prozent der Stimmen und einem klaren Mandat für die Fortsetzung seines Reformkurses rechnen. Keinem seiner neun konservativen und unabhängigen Mitbewerber werden Chancen auf einen Sieg eingeräumt. Bei der Wahl 1997 entfielen auf Chatami 70 Prozent der Stimmen.
Chatami will auch in einer zweiten Amtszeit die Reformen vorantreiben und sein Land weiter öffnen. Die USA forderte er zu einem Politikwechsel als Basis für einen Neuanfang in den beiderseitigen Beziehungen auf. Nach der Besetzung der US-Botschaft in Teheran 1979 hatten die USA ihre diplomatischen Beziehungen zum Iran abgebrochen und Wirtschaftssanktionen verhängt.
Chatamis Reformbestrebungen stoßen jedoch auf den Widerstand der Konservativen, die seit dem Sturz des Schahs und der Revolution 1979 die Kontrolle im Land haben. So blockierte der Wächterrat mit seinem Veto zahlreiche Reformgesetze, die zuvor das von den Reformern dominierte Parlament verabschiedet hatte. Auch die Justiz ging verschärft gegen die reformorientierte Presse vor. Rund 40 Zeitungen wurden verboten, zahlreiche Journalisten und politische Verbündete Chatamis inhaftiert.
Als einflussreicher Gegenspieler Chatamis gilt das geistliche Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Chamenei. Der konservative Geistliche ist von einem Ältestenrat auf Lebenszeit gewählt und übt unter anderem die Kontrolle über Justiz und Medien aus. Er kann Chatami jederzeit überstimmen.