Iran Spitzentreffen zu Atomprogramm geplatzt
Hamburg/Wien - Das Gespräch zwischen Dschawid Waidi und IAEA-Chef Mohammed ElBaradei in Wien galt als Test für die Bereitschaft Irans, Einzelheiten seines Atomprogramms offenzulegen. Aus Diplomatenkreisen verlautete, das Treffen sei kurzfristig abgesagt worden, weil der Eindruck entstanden sei, Waidi habe "nichts Wesentliches" beizutragen. Ein anderer Diplomat erklärte, die iranische Seite habe sich auf Anordnung des Umfelds von Präsident Mahmud Ahmadinedschad zurückgezogen. Waidi sei offenbar darauf vorbereitet gewesen, ElBaradei konkrete Vorschläge zu machen, sagte der Gewährsmann.
ElBaradei warnte vor einer weiteren Eskalation mit Iran. "Ich bin zunehmend beunruhigt über den gegenwärtigen Stillstand und die brodelnde Konfrontation - ein Stillstand, der dringend überwunden und eine Konfrontation, die entschärft werden muss", sagte ElBaradei vor dem Gouverneursrat der IAEA. Dies müsse allerdings durch "Dialog und Diplomatie" geschehen. Der Gouverneursrat, das wichtigste Entscheidungsgremium der IAEA, wird sich voraussichtlich von Mittwoch an mit dem Konflikt befassen.
Mit dem Treffen sollte ein Gespräch zwischen dem EU-Außenbeauftragten Javier Solana und dem iranischen Unterhändler Ali Laridschani vom 31. Mai fortgesetzt werden. Bei der Unterredung hatte Iran zugesagt, Fragen zu früheren Nuklearaktivitäten zu beantworten. Die vom UN-Sicherheitsrat geforderte Einstellung der Urananreicherung lehnte Teheran aber weiterhin ab.
Waidi traf heute mit EU-Vermittler Robert Cooper zusammen. Beide berichteten anschließend von Fortschritten. Es dürften aber keine Wunder erwartet werden, hieß es. Zur Eröffnung einer Sitzung des IAEA-Gouverneursrats erklärte ElBaradei, man habe keine Fortschritte bei den Bemühungen gemacht, noch ausstehende Fragen mit Iran zu klären. Vor dem Hintergrund der lange geheimen Atomaktivitäten in Iran sei es unabdingbar, dass Teheran umgehend mit der IAEA zusammenarbeite. Nur so sei festzustellen, ob die iranischen Arbeiten ausschließlich friedlicher Natur seien.
Der US-Delegierte Gregory Schulte sagte vor der Sitzung, die iranische Führung bemühe sich ungeachtet der Aufforderungen des UN-Sicherheitsrats weiter um die Anreicherung von Uran und die Produktion von Plutonium. Diese Arbeiten seien für eine rein zivile Nutzung nicht notwendig. Iran hat wiederholt betont, sein Nuklearprogramm diene allein zivilen Zwecken. Im Westen wird dagegen vermutet, dass Teheran nach Atomwaffen strebt.
flo/AP/dpa