Irans Atomprogramm Ahmadinedschad setzt auf Härte
Teheran - Er werde dem Druck aus dem Ausland widerstehen, "bis dieses Recht voll erfüllt ist", sagte Mahmud Ahmadinedschad heute in einer Ansprache auf dem Gelände des nahezu fertiggestellten Atomkraftwerks Buschehr. Die Islamische Republik bestehe darauf, ein Atomprogramm zur friedlichen Nutzung zu entwickeln. "Ich sage den sogenannten Supermächten, dass die iranische Nation vor 27 Jahren unabhängig wurde und selbst entscheidet."
"Diejenigen, die ganze Vorräte an Atomwaffen besitzen, rotten sich zusammen, treffen Entscheidungen und glauben, dass das iranische Volk sich ihren Entscheidungen unterwerfen wird", sagte der Präsident. "Ich sage den Strohmächten, dass das iranische Volk seit 27 Jahren unabhängig ist und seine Entscheidungen trifft, wie es ihm beliebt." Der iranische Präsident äußerte sich vor mehreren tausend Zuhörern, seine Rede wurde zudem vom staatlichen Fernsehen übertragen.
Zudem will er US-Präsident George W. Bush vor ein Völkergericht stellen. "Sie, der Sie die zionistische Marionettenregierung unterstützen, der Sie die Zerstörung palästinensischer Häuser unterstützen - Sie haben nicht das Recht, über Freiheit oder Menschenrechte zu reden", sagte Ahmadinedschad weiter. "So Gott will, werden wir Sie in naher Zukunft vor einem Völkergericht verurteilen." Der Staatschef übte Kritik an jenen, "die die Hände bis zur Schulter voll vom Blut der Völker haben, die überall beteiligt sind, wo es Krieg und Unterdrückung gibt, die in Asien und Afrika Kriege anzetteln und millionenfach Menschen töten".
Die USA, Russland und die europäischen Staaten einigten sich auf einen Resolutionsentwurf für die Sitzung des Gouverneursrates der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien. Das Gremium solle das Problem an den Uno-Sicherheitsrat überweisen, heißt es in dem Text. Die 35 Mitglieder des IAEA-Gouverneursrats kommen morgen und Freitag zusammen.
Der iranische Verteidigungsminister Mostapha Mohommed Nadschar, der Ahmadinedschad nach Buschehr begleitete, sagte: "Jede Handlung gegen die iranischen Atomanlagen wird eine unmittelbare und zerstörerische Antwort der Streitkräfte zur Folge haben." Es sei für die islamische Republik "sehr wichtig", die Anlage in Buschehr zu schützen.
Im Atomstreit verschärfte inzwischen auch Großbritannien den Ton. Iran habe "eine letzte Gelegenheit", seinen Verpflichtungen nachzukommen, sagte der britische Außenminister Jack Straw heute im Rundfunksender BBC. Indem die fünf Vetomächte des Weltsicherheitsrates sich darauf verständigt hätten, dass frühestens im März Schritte gegen Iran eingeleitet werden sollen, habe die islamische Republik noch eine letzte Chance. Dies werde er auch bei seinem Gespräch mit dem iranischen Außenminister Manuschehr Mottaki deutlich machen, den er schon tags zuvor in London empfangen hatte und heute erneut treffen wollte. Der Atombeauftragte Ali Laridschani drohte in Teheran jedoch damit, die Anreicherung von Uran im industriellen Ausmaß wieder aufzunehmen, sollte der Streit an den Uno-Sicherheitsrat verwiesen werden.
lan/hen/AFP/Reuters/AP