Irans Atomprogramm: Angebot mit deutscher Hilfe - DER SPIEGEL
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Irans Atomprogramm Angebot mit deutscher Hilfe

Einen Tag vor einer routinemäßigen Sitzung der Atomenergiebehörde IAEA sind neue Details über das Atomprogramm des Iran bekannt geworden. Demnach trafen sich die Iraner schon 1987 mit pakistanischen Unterhändlern, um über die Lieferung von Atom-Technik zu verhandeln. Mit am Tisch saß ein deutscher Ingenieur.
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Berlin - Die neuen Details kommen zum Teil aus den Ermittlungen der Kontrollbehörde IAEA und Material, das der Iran auf Nachfrage bereitgestellt hat. Laut einem Bericht der "Washington Post" trafen sich den neuen Erkenntnissen zufolge hochrangige iranische Emissäre bereits im Jahr 1987 in Dubai mit möglichen Handelspartnern für Atom-Technik. Laut dem Zeitungsbericht nahmen mindestens drei iranische Unterhändler, ein Vertreter des pakistanischen Atomforschers Abdul Khan und der deutsche Ingenieur Heinz Mebus an dem Treffen teil. Die neuen Ergebnisse werfen ein Licht auf die Tatsache, wie früh sich der Iran für die Atom-Technik interessierte.

Für die Nuklear-Ermittler sind die beteiligten Personen indes keineswegs neu. Schon seit langem ist bekannt, dass sowohl der Iran als auch Libyen und Nordkorea massiv durch den Khan-Zirkel mit Know-How aus Pakistan bei ihren Atom-Träumereien unterstützt wurden. Seitdem Khan unter Hausarrest steht und Libyen sich an der Aufklärung des weltweiten Atom-Netzwerks beteiligt, sind die Ermittler ein gutes Stück vorangekommen.

Den deutschen Heinz Mebus haben die Fahnder dabei schon seit Jahren auf dem Radar. Der Erlanger Kaufmann stand mit den Machern des pakistanischen Nuklearprogramms schon seit den späten 70er Jahren im engen Kontakt. Im Jahr 1981 explodierte in seinem Vorgarten eine Bombe, welche die Kripo damals als Warnung gegen seine Hilfe für das pakistanische Programm wertete. Mebus starb schließlich Mitte der 90er Jahre, sein Schwiegersohn führte den Handel weiter.

Auf dem Treffen in Dubai soll es laut der "Post" um die Akquirierung von technischem Material wie Zentrifugen und einem "starter-kit" für die Anreicherung von Uran gegangen sein. In drei Phasen sollten laut den Unterlagen Materialien an den Iran geliefert werden. Ob der Deal zustande kam, geht aus den Materialien nicht hervor. Alle der genannten Technik-Teile gehören laut der "Post" zu den so genannten "dual use"-Gütern, die sowohl für die zivile Atom-Technik zur Energiegewinnung als auch zum Bau und der Forschung an militärischen Atom-Gütern genutzt werden können. Besonders in der dritten Phase des Handels sollte es laut der "Post" um Technik gehen, die besonders zum Bau einer Atom-Bombe geeignet sind.

Trotzdem hat die neue Erkenntnis für Experten eine Bedeutung. "Was neu ist, ist die Tatsache, dass der Iran einen Helfer hatte", sagte David Albright der "Post", "und mit einem Helfer ist eben alles viel einfacher". Am Montag tritt in Wien der Kontrollausschuss der IAEA erneut zusammen. Ob es dabei auch um die neuen Details aus den Ermittlungen geht, ist nicht bekannt. Allerdings könnten sie als weiteres Argument dienen, dass der Iran immer nur Details zugibt, wenn die IAEA diese konkret nachfragt.

Den von den USA erhobenen Vorwurf, an einem Atomwaffenprogramm zu arbeiten, hat Teheran bisher stets zurückgewiesen. Ein Teil der in Iran betriebenen Nuklearanlagen ließen nach Ansicht von Experten Zweifel daran zu, dass sie allein friedlichen Zwecken dienen sollen. Soweit bekannt, sind die meisten Nuklearanlagen noch im Bau oder im Planungsstadium. In Betrieb sind Forschungsreaktoren in Teheran sowie in Ramsar und Bonab nordwestlich der Landeshauptstadt. Im Bau sind ein 1000-Megawatt-Leichtwasserreaktor in Buschehr, der nach russischen Angaben Ende 2006 in Betrieb gehen soll, eine Anlage zur Uran-Anreicherung in Natanz, eine Anlage zur Produktion von schwerem Wasser in Arak und eine Anlage zur Produktion von Brennstäben in Isfahan.

Darauf, dass Iran über ein weit fortgeschrittenes Programm zur Herstellung waffenfähigen Nuklearmaterials verfügen könnte, deuten Fachleuten zufolge vor allem die Anlagen in Arak, Natanz und Buschehr hin. Als Wichtigste gilt demnach die 300 Kilometer südlich von Teheran gelegene Uran-Anreicherungsanlage in Natanz, in deren Gaszentrifugen Uran angeblich so hoch angereichert werden kann, dass es waffenfähig wird. Das 250 Kilometer südwestlich von Teheran in Arak hergestellte schwere Wasser könnte nach Meinung der Experten in einem noch zu errichtenden Schwerwasserreaktor verwendet werden. Schwerwasserreaktoren können in Verbindung mit Wiederaufbereitungsanlagen zur Herstellung von Plutonium genutzt werden.

Erst am Wochenende hatten der Iran und Russland in der südiranischen Hafenstadt Buschehr ein Atomabkommen unterzeichnet. Darin vereinbarten die Länder die grundsätzliche Lieferung von Brennstäben für das Atomkraftwerk Buschehr, ihre Rücknahme und Endlagerung sowie den Zeitplan der Lieferung regeln. Ursprünglich hatte die Unterzeichnung am Samstag in Teheran erfolgen sollen, war aber wegen Differenzen um einen Tag verschoben worden.

Am umstrittensten war der Zeitplan der Lieferung der ersten Brennstäbe. Beide Seiten hielten den Zeitplan geheim, betonten aber, die Lieferung werde nach international anerkannten Regeln erfolgen. Während Teheran auf den Beginn der Lieferung der Brennstäbe Ende Mai bestanden hatte, hatte Moskau dies als viel zu früh zurückgewiesen.

Strittig war auch das Datum der Fertigstellung des AKW Buschehr. Während Iran sie für Ende Februar 2006 anstrebt, geht Russland von Ende 2006 aus. Dazu wurden am Sonntag keine Angaben gemacht. Rumjanzew betonte, vor dem Start der Testphase müssten alle Sicherheitsmaßnahmen getroffen sein. Er versprach, Russland werde mehr Ingenieure schicken, um die Bauarbeiten zu beschleunigen.

Am Sonntag relativierte die russische Seite die Bedeutung des Deals. Man werde die Brennstäbe erst liefern, wenn das mit russischer Hilfe gebaute Atomkraftwerk Buschehr funktionsbereit sei, betonte ein Sprecher des Außenministeriums in Moskau am Sonntag. Der zwischen Russland und Iran unterzeichnete Atomvertrag beinhalte keineswegs eine Klausel, wonach sofort geliefert werden müsse.