Irans Atomprogramm Teheran bleibt unter Verdacht
Teheran - Uno-Inspektoren hätten bei Proben "Spuren hoch angereicherten Urans" in der iranischen Nuklearanlage Natanz gefunden, sagte der IAEA-Generaldirektor Mohamed al-Baradei. Die Herstellung von hoch angereichertem Uran gilt als wichtiger Hinweis auf ein geheimes Waffenprogramm, dessen Existenz die USA vermuten.
"Natanz ist der kritischste Punkt unserer Kontrollen", sagte al-Baradei. Das Material habe man an Gas-Ultra-Zentrifugen gefunden. Sollte sich herausstellen, dass Iran sein Atomprogramm nicht für friedliche Zwecke nutze, könnte dies fürchterliche Folgen haben, sagte der Generaldirektor dem "Stern". Seine iranischen Gesprächspartner hätten erklärt, es handle sich um Maschinen, die bereits bei der Lieferung verschmutzt gewesen seien. Das werde jetzt überprüft. Teheran müsse alles offen legen, verlangte al-Baradei.
Die geheime Uran-Aufbereitungsanlage in Natanz etwa 300 Kilometer südlich von Teheran wurde erst vor knapp einem Jahr entdeckt. Es handle sich um eine Anlage für zivile Zwecke, heißt es in Teheran. Experten bezweifeln dies.
In den Schlussfolgerungen eines geheimen IAEA-Berichts, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, heißt es: "Zusätzliche Arbeit (...) ist nötig, um zu Schlussfolgerungen über Irans Aussage zu kommen, dass es in Iran keine Aktivität zur Urananreicherung mit Nuklearmaterial gegeben hat."
Experten fürchten, dass Iran in ein bis drei Jahren über Atomwaffen verfügen und die Krisenregion Nahost und Zentralasien durch einen Rüstungswettlauf destabilisieren könnte. Auch die EU drängt Iran zu mehr Offenheit bei seinen Atomplänen. Dazu soll das Land ein Zusatzprotokoll zum Atomwaffen-Sperrvertrag unterzeichnen, dass striktere Inspektionen zulassen würde.
Teheran bestreitet die Vorwürfe. Das Atomprogramm diene der Energiegewinnung. Der Vertreter Irans bei der IAEA sagte nach Angaben der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna, sein Land sei bereit, das Zusatzprotokoll über striktere und kurzfristige Inspektionen zu unterschreiben.
"USA halten sich nicht an Atomwaffensperrvertag"
IAEA-Generaldirektor al-Baradei warnte vor einem neuen nuklearen Wettrüsten: "Atomwaffen sind begehrter denn je. Heute wird bereits ernsthaft darüber diskutiert, dass man Atomwaffen einsetzen kann. Auch Diktatoren wollen überleben." Er warf den USA vor, mit der Forschung an so genannten "Mini-Atombomben" faktisch den Atomwaffensperrvertrag zu brechen: "Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Die US-Regierung verlangt von anderen Staaten, keine Atomwaffen zu besitzen. Andererseits perfektioniert man das eigene Arsenal. Ich glaube, es entspricht nicht dem Vertrag, den sie unterzeichnet haben."