IS Islamischer Staat: US-Luftangriffe werden präziser - DER SPIEGEL
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Luftkrieg gegen "Islamischen Staat" So bombardieren US-Kampfjets den IS

Das US-Militär fliegt im Vergleich zu früheren Anti-Terror-Kriegen überraschend wenige Angriffe gegen den IS. Das geht aus einer Auswertung des SPIEGEL hervor. Das Bombardement ist jedoch präziser.
Raketen-Einschlag in Kobane (arabisch Ain al-Arab): Die USA bombardieren die Stellungen der Dschihadisten in der umkämpften Stadt
Raketen-Einschlag in Kobane (arabisch Ain al-Arab): Die USA bombardieren die Stellungen der Dschihadisten in der umkämpften Stadt

Raketen-Einschlag in Kobane (arabisch Ain al-Arab): Die USA bombardieren die Stellungen der Dschihadisten in der umkämpften Stadt

Foto: ARIS MESSINIS/ AFP
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Berlin - Die USA haben bislang deutlich weniger Angriffe gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) in Syrien und im Irak geflogen als in früheren Kriegen. Das zeigt eine Auswertung der ersten 120 Tage, die die SPIEGEL-Dokumentation vorgenommen hat. Seit Anfang August attackieren die Amerikaner die Radikalen im Irak, seit September in Syrien.

Im Durchschnitt wurden bisher pro Tag neun Angriffe gegen den IS geflogen. Zum Vergleich: Beim Einsatz in Libyen 2011 kam es in den ersten Monaten durchschnittlich zu 50 Luftschlägen pro Tag, im Irak 2003 zu 800 und in Afghanistan 2001 zu 86 täglichen Luftangriffen.

Ein Grund für die relativ geringe Anzahl von Schlägen gegen die Islamisten: Der IS ist bisher vor allem noch eine Miliz und weniger tief in der Region verankert als die früheren Gegner der Amerikaner. Im Irak und in Libyen führten die USA Kriege gegen seit Jahrzehnte regierende Herrscher und ihren Militärapparat mit Kasernen und Ministerien. In Afghanistan herrschten die Taliban zum Zeitpunkt der Bombardierungen immerhin bereits seit fünf Jahren. Zudem ist das Land am Hindukusch rund zehn Mal so groß wie das vom IS kontrollierte Gebiet.

In Syrien und im Irak hat es das US-Militär offenbar auch schwerer, Angriffsziele zu identifizieren. 80 Prozent ihrer Ziele erwiesen sich als klein und hoch mobil: Konvois, Kämpfer, Panzer oder vorübergehend eingenommene Kampfpositionen der Dschihadisten.

Anfangs warf daher nur jeder zehnte US-Kampfjet überhaupt seine Bomben ab. 90 Prozent kehrten unverrichteter Dinge um, weil sie ihr Ziel nicht fanden - oder weil das Risiko zu groß war, viele Zivilisten zu treffen.

Inzwischen soll nach Angaben des US-Militärs jeder vierte amerikanische Kampfjet erfolgreich sein. Denn die Amerikaner haben inzwischen in Katar eine zweite Kommandozentrale eingerichtet, die auf das Aufspüren von sogenannten Pop-up-Zielen spezialisiert ist, also schnell beweglichen Konvois und Kämpfern. Deshalb gibt es inzwischen im Kampf gegen den IS auch erste Erfolge zu verzeichnen: Im Vergleich zu früheren Angriffen seien die Luftschläge gegen die Terrormiliz viel präziser, berichteten  US-Beamte der "New York Times".

Bisher hat das amerikanische Verteidigungsministerium jedoch keine Angaben darüber gemacht, wie viele Unbeteiligte durch die Bombardements ums Leben gekommen sind. Die Gruppe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Coventry, die als recht zuverlässig gilt, schätzte Anfang Oktober den Anteil der Zivilisten unter den Getöteten in Syrien auf sechs Prozent.