Isaf in Afghanistan Frühjahrsoffensive unter neuem Kommandeur
Berlin - Der britische General David Richards übergab das Kommando der Internationalen Schutztruppe (Isaf) heute bei einer feierlichen Zeremonie in Kabul an US-General Dan McNeill. Der scheidende Befehlshaber gab sich optimistisch und kündigte eine Frühjahrsoffensive gegen die wieder erstarkten Taliban an.
"Wir haben bewiesen, dass die Nato die Taliban militärisch besiegen kann und wird", sagte Richards in der afghanischen Hauptstadt. "Wenn der Frühling kommt, wird eine Nato-Offensive, nicht eine Taliban-Offensive, die Bedingungen dafür schaffen, die Rebellen erneut zu besiegen."
Mehr als fünf Jahre nach Beginn des Afghanistan-Einsatzes befehligt damit erstmals ein Amerikaner die von der Nato kommandierte Schutztruppe. "Wir werden unseren Posten und unsere Mission nicht aufgeben, bis die Arbeit erledigt ist", sagte McNeill. "Wir werden keinen gefallenen Kameraden zurücklassen."
Der deutsche General Egon Ramms, der das Isaf-Kommandozentrum im niederländischen Brunssum führt, betonte: "Unsere Anwesenheit in dem Land ist nicht dauerhaft." Ramms sagte, Rebellen hätten in Teilen des Landes weiterhin Einfluss. Richards nannte 2006 ein "Jahr des Erfolgs".
McNeill, der zuvor unter anderem im Irak war, kommandiert rund 35.000 Isaf-Soldaten, darunter 14.000 Amerikaner. Die Bundeswehr stellt mit etwa 3000 Soldaten das drittgrößte Kontingent nach den USA und Großbritannien. Neben der Isaf operieren in Afghanistan auch noch die US-geführten Koalitionstruppen der Mission "Enduring Freedom", die nach Terroristen suchen.
Jung: Entsendung von Tornados "sinnvoll"
Am Mittwoch will die Bundesregierung über eine Entsendung von sechs Tornado-Aufklärungsflugzeugen nach Afghanistan und eine Aufstockung der Bundeswehr-Truppenstärke um 500 Soldaten entscheiden. Der Bundestag soll Anfang März über das zusätzliche Mandat abstimmen.
Verteidigungsminister Franz Josef Jung sagte dazu der "Welt am Sonntag", es bestünden zwar Risiken, Berlin wolle die Tornados aber trotzdem bereitstellen. Er halte den Einsatz für sinnvoll: "Schließlich brauchen wir eine bessere Aufklärung auch, um terroristischen Angriffen frühzeitig entgegentreten zu können."
Im vergangenen Jahr kamen in Afghanistan mehr als 4000 Menschen gewaltsam ums Leben, mehr als in jedem anderen Jahr seit dem Sturz der Taliban Ende 2001.
"Präzisionsschlag" gegen Taliban-Anführer
Die Isaf teilte unterdessen mit, der Anführer der Taliban in dem von den Rebellen eroberten Distrikt Musa Kala, Mullah Abdul Ghafoor, sei heute mit einem Präzisionsangriff aus der Luft getötet worden. Afghanische Regierungstruppen und Nato-Einheiten bereiten sich derzeit auf die Rückeroberung der Distrikt-Hauptstadt vor. Die Taliban waren am Donnerstag zu Hunderten in den Ort eingedrungen. Aus Furcht vor schweren Gefechten sind zahlreiche Bewohner aus der Stadt geflohen. Ein Isaf-Sprecher sagte, die Taliban verstärkten ihre Stellungen im Zentrum Musa Kalas.
Britische Isaf-Soldaten hatten sich im Herbst nach einem international umstrittenen Friedensabkommen mit den Stammesältesten in Musa Kala aus dem Distrikt zurückgezogen. Dem Abkommen zufolge sollten eigene Sicherheitskräfte der Stammesältesten dafür sorgen, dass die Taliban fernbleiben. Den Rebellen war es zuvor bereits ein Mal gelungen, den lange umkämpften Distrikt in der Provinz Helmand vorübergehend unter ihre Kontrolle zu bringen.
cvo/dpa/ap/afp