Islam-Rede Papst empfängt muslimische Botschafter
Berlin - In dem Bemühen um eine Klarstellung seiner Islam-Kritik lud Papst Benedikt XVI. für Montag die am Vatikan akkreditierten Botschafter muslimischer Länder ein. Zu dem Treffen in der Sommerresidenz des Papstes im Castel Gandolfo würden auch Vertreter der muslimischen Gemeinden in Italien geladen, erklärte Vatikansprecher Ciro Benedettini.
Bei seinem Deutschlandbesuch hatte der Papst am Dienstag vergangener Woche in einem Vortrag eine Äußerung des byzantinischen Kaisers Manuel II. Paläologos zitiert, wonach der Prophet Mohammed "nur Schlechtes und Inhumanes" gebracht habe. Er hatte dies mit einem Aufruf zum Gewaltverzicht verbunden. Nach einem Sturm der Entrüstung in der islamischen Welt hatte der Papst sein Bedauern bekundet.
Die umstrittene Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. beschäftigt auch den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen. Der Uno-Beauftragte für den Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, Doudou Diene, bezeichnete die Äußerungen des Papstes über den Islam als "zutiefst beunruhigend". In einem Bericht an den Menschenrechtsrat schrieb Diene, die Rede von Benedikt rechtfertige zwar keine generelle Islamfeindlichkeit. Sie fördere aber Strömungen, die Islam und Terrorismus in eins setzen wollten.
Benedikt hätte in der von ihm angeführten Debatte aus dem 14. Jahrhundert beide Seiten darstellen sollen, erklärte der senegalesische Uno-Experte. Eine ausgewogene Herangehensweise hätte deutlich gemacht, dass "die Debatte über Gewalt und Religion eine lange kontroverse Geschichte" habe. Der Menschenrechtsrat, der noch bis zum 6. Oktober in Genf tagt, beschäftigte sich auf Antrag von Delegationen islamischer Länder mit den Äußerungen des Papstes. Den Bericht an das Gremium verfassten Diene und der Sonderberichterstatter zur Religionsfreiheit, Asma Jahangir.
In der pakistanischen Stadt Lahore forderte eine Versammlung von rund 1000 islamischen Geistlichen und Religionsgelehrten die Amtsenthebung von Benedikt XVI. Der Papst habe Feindschaft zwischen den Religionen gesät und beleidigende Bemerkungen gemacht, hieß es in der Erklärung der Versammlung, zu der die radikale Organisation Jamaat al-Dawat eingeladen hatte. "Wenn der Westen nicht seine Haltung gegenüber dem Islam ändert, wird er ernste Konsequenzen zu tragen haben."
mgb/AP/dpa