Israel Barak verschiebt den Krieg
Jerusalem - Mit der Fristverlängerung soll es Vermittlern der Uno, Russlands und der EU ermöglicht werden, Chancen für eine Beilegung der Krise und eine Wiederbelebung des Friedensdialogs auszuloten. Zugleich ermächtigte Baraks Kabinett die israelischen Sicherheitskräfte, mit allen angemessenen Mitteln gegen Unruhestifter vorzugehen.
Barak hatte mit dem Einsatz militärischer Mittel gedroht, falls die schlimmsten Unruhen seit dem Intifada-Aufstand nicht bis zum Abschluss des jüdischen Feiertages Jom Kippur aufhörten. Nach dem Ende einer fünfstündigen Nachtsitzung des Kabinetts erklärte sich die Regierung zur Wiederaufnahme der Friedensgespräche mit den Palästinensern bereit, sofern die Unruhen aufhörten. Mit Blick auf die amerikanischen Bemühungen um die Einberufung eines Nahost-Krisengipfels erklärte die Regierung, darüber werde nach Lage der Dinge beraten.
Die Gewalt geht weiter
Israelische Soldaten lieferten sich auch am Montag in Hebron, Nablus, Ramallah und weiteren Städten im Westjordanland Straßenschlachten mit Palästinensern. 14 Menschen wurden Augenzeugenberichten zufolge verletzt. Zu Gewaltausbrüchen kam es erneut auch in der von Arabern bewohnten israelischen Stadt Umm-el-Fachem und in Nazareth. In Tel Aviv wurden mehrere von Arabern bewohnte Häuser in Brand gesteckt. Die israelische Armee verlängerte unterdessen die Abriegelung der Palästinensergebiete, die wegen der Unruhen vor dem Jom-Kippur-Fest angeordnet worden war.
Die Bemühungen der USA um einen Nahost-Krisengipfel zur Beendigung der Unruhen in den Palästinensergebieten blieben unterdessen vorerst fruchtlos. Aus US-Regierungskreisen verlautete in Washington, Präsident Bill Clinton habe sich bei Telefonaten mit Barak, Palästinenserpräsident Jassir Arafat und Ägyptens Präsident Husni Mubarak vergeblich um eine Zustimmung für einen Krisengipfel bemüht. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass ein Treffen zum jetzigen Zeitpunkt ein Abkommen zur Beendigung der Gewaltwelle herbeiführen könne.
Aus der ganzen Welt kommen die Vermittler
Unterdessen bemühte sich Uno-Generalsekretär Kofi Annan in der Region um Vermittlung zwischen den Konfliktparteien. "Das Blutvergießen muss ein Ende haben. Der Konflikt darf nicht weiter eskalieren", sagte Annan nach Gesprächen mit dem israelischen Außenminister Schlomo Ben-Ami. Später kam Annan in Gaza-Stadt mit Arafat zusammen. Arafat sagte, er habe die Lage eingehend mit Annan besprochen und wolle ihn am Dienstag erneut treffen. Im Laufe des Tages ist zudem ein Treffen Annans mit Barak geplant. Auch der außenpolitische Koordinator der EU, Javier Solana, und der russische Außenminister Igor Iwanow werden am Dienstag zu einem Gespräch mit dem israelischen Ministerpräsidenten erwartet.