Israel: Bombenterror am Falafel-Stand - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Israel Bombenterror am Falafel-Stand

Palästinensische Extremisten wollen die israelische Gesellschaft offenbar in einen dauerhaften Angstzustand versetzen. Dazu trägt auch der jüngste Anschlag eines 17-jährigen Selbstmordattentäters mitten in Jerusalem bei. Im Westjordanland drangen zudem zwei maskierte Palästinenser in ein israelisches Dorf ein und erschossen zwei jüdische Siedler.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jerusalem - Der aus Bethlehem stammende Jugendliche war sofort tot. Er war mit seinem Sprengsatz in der Prophetenstraße (Haneviim) in der Jerusalemer Innenstadt unterwegs. Er war eigentlich nicht auffällig, nach hinten gegeltes Haar und glatt rasiert. Doch er trug eine schwarze Tasche bei sich, sagte Sergeant Ofir Yona. Als der 17-Jährige die Patrouille bemerkte, sei er in einem kleinen Imbissladen verschwunden.

Der Falafel-Stand wurde von Polizisten des nahegelegenen Hauptquartiers der Polizei häufig frequentiert. Offenbar wollte der Selbstmordattentäter möglichst viele Polizisten mit sich in den Tod reißen. Doch die Bombe ging offenbar vorzeitig hoch. So kam es nicht erneut zu einer großen Katastrophe. In der Umgebung der Imbissbude, wo der mittelgroße Sprengsatz explodierte, wurden nach Angaben des Jerusalemer Polizeichefs Mickey Levy vier Passanten verletzt.

Der Sprengsatz ging genau an der streng bewachten Grenzlinie zwischen dem jüdischen Westteil der Stadt und der arabischen Altstadt im Osten hoch. Es war der erste Selbstmordanschlag in Jerusalem seit sechs Wochen - Am 18/19. Juni wurden bei zwei Terroraktionen 26 Israelis getötet. Regierungssprecher David Baker sagte: "Dieser Anschlag ist ein Beweis dafür, dass die palästinensische Autonomiebehörde immer noch glaubt, dass sie ihre Ziele durch Terror erreichen kann, und das ist ein Irrtum." Nach den Anschlägen vom Juni hatte Israel sieben der acht palästinensischen Städte im Westjordanland erneut besetzt.

Hinter Olivenbäumen aufgelauert

Maskierte Palästinenser erschossen nahe Nablus im Westjordanland zwei jüdische Siedler. Die beiden Bewohner der Siedlung Tapuach waren Angaben von Bewohnern zufolge unterwegs, um in einem Dorf der Umgebung Benzin zu verkaufen. Mehrere Palästinenser lauerten ihnen hinter Olivenbäumen auf und schossen auf die Händler, die tödlich getroffen wurden. Ebenfalls in der Nähe von Nablus drang am Dienstag ein Palästinenser in ein Haus der jüdischen Siedlung Itamar ein und stach einen Mann und dessen Frau nieder. Die beiden wurden schwer verletzt. Wachleute überwältigten den Täter und töteten ihn.

Wenige Stunden vor dem jüngsten Anschlag hatte Palästinenserpräsident Jassir Arafat erneut eine Einstellung aller Selbstmordanschläge gefordert. Diese seien nicht im Interesse der Palästinenser, sagte er nach einem Treffen mit dem amerikanischen Bürgerrechtler Jesse Jackson.

Die Anschläge ereigneten sich just zu einem Zeitpunkt, als der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser sich um eine Wiederaufnahme der Sicherheitsgespräche mit den Palästinensern bemüht. Diese sollen nach dessen Willen wieder die Verantwortung für die Sicherheit im Westjordanland und im Gazastreifen übernehmen, damit sich die israelischen Truppen zurückziehen können.

Ziviler Ungehorsam in Nablus

In Nablus wehren sich die Bewohner inzwischen mit zivilem Ungehorsam gegen die seit mehr als einen Monat andauernde Besetzung durch israelische Truppen. Den dritten Tag in Folge missachteten sie am Donnerstag das Ausgehverbot der Armee, gingen über den Markt und bewegten sich frei im Stadtzentrum. "Uns sind die Verstöße bekannt", sagte der israelische Oberstleutnant Olivier Rafowicz. "Derzeit reagieren wir nicht darauf."

Mehr lesen über