Getöteter Palästinenser Berufungsgericht bestätigt Freiheitsstrafe gegen israelischen Soldaten
Elor Azaria im Gericht in Tel Aviv
Foto: POOL/ REUTERSEs bleibt dabei: Der junge Israeli Elor Azaria muss in Haft. Ein Berufungsgericht bestätigte am Sonntag seine Verurteilung wegen Totschlags an einem palästinensischen Attentäter. Das Militärgericht wies in Tel Aviv einen Antrag der Verteidigung auf Freispruch ab. Der Fall hatte weltweit für Aufsehen gesorgt und in Israel eine heftige Kontroverse ausgelöst.
Der Kampfsanitäter Azaria hatte im März 2016 in Hebron einen verletzt am Boden liegenden palästinensischen Attentäter gezielt mit einem Kopfschuss getötet. Hintergrund der Tat war ein Anschlag auf israelische Streitkräfte: Zwei Palästinenser hatten einen israelischen Soldaten in Hebron mit Messern angegriffen. Ein weiterer Soldat soll daraufhin auf die Angreifer geschossen haben, einer von ihnen ging zu Boden.
"Zum Richter und Henker gemacht"
Ein Militärgericht hatte im Januar 2017 einen Schuldspruch wegen Totschlags gegen ihn verhängt und ihn später zu 18 Monaten Haft verurteilt. Der Soldat habe sich mit der Tat "zum Richter und zum Henker gemacht", hieß es im Urteil des Militärgerichts. Die Richterin sagte damals, Azaria habe mit seiner Tat den Wert menschlichen Lebens missachtet. Die Anklage hatte drei bis fünf Jahre Haft gefordert, die gesetzliche Höchststrafe liegt bei 20 Jahren. Verteidigung und Anklage hatten das Urteil angefochten.
Kritiker, darunter das Uno-Menschenrechtsbüro, hielten es für zu mild, andere hatten einen Freispruch gefordert. (Lesen Sie hier einen Kommentar zu dem Urteil.) Azarias Anwalt hatte gegen das Urteil Einspruch eingelegt.
Zehn Tage vor Beginn des Berufungsprozesses war Azaria in den Hausarrest entlassen worden. Zuvor war er auf einer Militärbasis im offenen Vollzug untergebracht gewesen. Am Donnerstag endete sein Militärdienst.
Die Tat wurde von einem Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation B'Tselem gefilmt und war dadurch öffentlich geworden. Auf dem Video ist zu sehen, wie der Angeklagte dem Wehrlosen in den Kopf schießt.