Israel Ex-Justizminister wegen sexueller Belästigung verurteilt
Tel Aviv - Das Distriktgericht von Tel Aviv habe Ramon einstimmig einer "unschicklichen Handlung" für schuldig befunden, sagte eine Gerichtssprecherin. Der 56-Jährige ist angeklagt, im Sommer vergangenen Jahres eine junge Soldatin sexuell belästigt zu haben.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Ramon am 12. Juli vergangenen Jahres, dem Tag des Beginns der israelischen Militäroffensive im Libanon, die junge Soldatin zu einem Kuss zwang. Die Frau hatte ihn zuvor umarmt und sich mit ihm fotografieren lassen. Ramon hatte zu seiner Verteidigung erklärt, die 18-Jährige hätte heftig mit ihm geflirtet.
"Es gibt Linien, die nicht überschritten werden können", sagte Richterin Hajuta Kochan. "Das war kein zärtlicher Kuss. Das weist alle Merkmale eines sexuellen Verbrechens auf."
Wegen der Anschuldigungen hatte Ramon im August sein Amt niedergelegt; während des Verfahrens wies er alle Vorwürfe zurück. Er hat nun 45 Tage Zeit, um gegen den Schuldspruch Revision einzulegen. Die Affäre dürfte vorläufig das Ende der politischen Karriere des Politikers der Kadima-Partei von Regierungschef Ehud Olmert bedeuten.
Die Affäre reiht sich ein in eine Serie von Skandalen um führende israelische Politiker. Erst vergangene Woche hatte die Generalstaatsanwaltschaft einen Prozess gegen Präsident Mosche Katzav wegen Vergewaltigung angekündigt. Katzav lässt seither sein Amt ruhen.
Olmert ließ über seine Sprecherin sein Bedauern über den Schuldspruch äußern. Er werde sich nun um die Neubesetzung des seit Monaten vakanten Justizressorts kümmern, sagte Olmerts Sprecherin Miri Eisin.
Mit einer Kabinettsumbildung hofft der Regierungschef, seinen seit Monaten fortschreitenden Ansehensverlust in der israelischen Öffentlichkeit aufhalten zu können. Nach Einschätzung politischer Beobachter will Olmert vor allem den viel kritisierten Verteidigungsminister Amir Perez austauschen; als Nachfolger ist der frühere Ministerpräsident der Arbeitspartei, Ehud Barak, im Gespräch.
jaf/AFP/AP/dpa