Israel Hardliner Scharon tritt an
Jerusalem - Netanjahu zog seine Kandidatur bei der anstehenden Neuwahl für das Amt des Regierungschefs zurück. Der Politiker, der im Mai 1999 gegen Barak hoch verloren hatte, gab seine mit Spannung erwartete Entscheidung am Morgen bekannt, nachdem das Parlament die von ihm geforderte Auflösung abgelehnt hatte.
Damit steht der Vorsitzende der Likud- Oppositionspartei, Ariel Scharon, 72, als Gegenkandidat Baraks bei der Wahl Anfang Februar fest. Nach dem Verzicht Netanjahus sagte seine Partei einen für Dienstag geplanten Sonderparteitag ab, auf dem der Likud-Kandidat gewählt werden sollte. Die Kandidatur des umstrittenen Scharon dürfte Baraks Chancen auf eine Wiederwahl verbessern.
Die Knesset hatte in der Nacht mit 69 zu 49 Stimmen die von Netanjahu geforderte Selbstauflösung abgelehnt. Netanjahu, der bei Meinungsumfragen weit vor Barak lag, hatte am Montag bekräftigt, er wolle nur antreten, wenn gleichzeitig auch Parlamentswahlen stattfänden. Diese würden ihm eine bessere Ausgangsbasis zum Regieren bieten.
Netanjahu lehnte es ab, auf Grund einer ebenfalls in der Nacht beschlossenen Gesetzesänderung anzutreten, die ihm ohne Zugehörigkeit zum Parlament eine Kandidatur ermöglicht hätte. Netanjahu meinte in einer schriftlichen Erklärung zu seinem Rückzug: "Weil die Knesset nicht den Mut hatte, dem Wunsch der Öffentlichkeit zu folgen und sich Neuwahlen zu stellen, (...) scheide ich aus dem Rennen aus."
Auch Peres noch im Rennen
Auch nach der Entscheidung Netanjahus ist jedoch noch nicht klar, ob Scharon der einzige Herausforderer Baraks bleibt. Zwei arabisch-israelische Abgeordnete haben bereits ihre Kandidatur angekündigt. Auch der frühere Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger Schimon Peres gab zu verstehen, dass er nach wie vor eine Gegenkandidatur zu Barak erwäge. Peres traf sich mit führenden Mitgliedern der Arbeitspartei und dem Vorsitzenden der liberalen Merez-Partei, um seine Chancen auszuloten. Für eine Kandidatur benötigt er die formelle Unterstützung von mindestens zehn Knesset-Abgeordneten.
Jüngste Meinungsumfragen haben Peres Chancen eingeräumt, bei einem Dreikampf zwischen ihm, Barak und Scharon den derzeit amtierenden Regierungschef im ersten Wahlgang auf den dritten Platz zu verdrängen. Bei der dann folgenden Stichwahl könnte Peres den Umfragen zufolge Scharon schlagen.