Israel Netanjahu gibt auf
Jerusalem Netanjahu, 51, der im Mai 1999 bei den allgemeinen Wahlen gegen den amtierenden Ministerpräsident Ehud Barak hoch verloren hatte, gab seine mit Spannung erwartete Entscheidung am Montagmorgen bekannt, nachdem das Parlament eine von ihm geforderte Selbstauflösung der Abgeordnetenversammlung abgelehnt hatte.
Damit steht der Vorsitzende der rechtsgerichteten Likud-Oppositionspartei, Ariel Scharon, 71, als Herausforderer Baraks bei der Wahl Anfang Februar fest. Nach dem Verzicht Netanjahus sagte seine Partei einen für diesen Dienstag geplanten Sonderparteitag ab, auf dem Baraks Gegenkandidat gewählt werden solle. Die Kandidatur des umstrittenen, rechtsgerichteten Scharon dürfte Baraks Chancen auf Wiederwahl deutlich verbessern.
Die Knesset hatte am frühen Morgen mit absoluter Mehrheit die Auflösung des Parlaments abgelehnt. Netanjahu, der bei Meinungsumfragen weit vor Barak lag, hatte noch am Montag erklärt, er wolle nur antreten, wenn gleichzeitig auch Parlamentswahlen stattfinden würden, die ihm eine bessere Ausgangsbasis zum Regieren bieten würden.
Der frühere Ministerpräsident Schimon Peres erwägt nach eigenen Angaben, bei der vorgezogenen Wahl des Ministerpräsidenten in Israel zu kandidieren. Peres sagte am Dienstag nach einem Treffen mit Regierungschef Ehud Barak dem israelischen Rundfunk, er erwäge sehr sorgfältig eine Kandidatur, die von der Öffentlichkeit an ihn herangetragen worden sei. Peres und Barak gehören beide der Arbeiterpartei an, die Barak nach dessen Rücktritt am 10. Dezember als Kandidaten erneut nominiert hatte. Peres müsste demnach als unabhängiger Kandidat bei der für Anfang Februar erwarteten Wahl antreten.
Peres hatte in den vergangenen Wochen offen sein Missfallen über die zaghafte Friedenspolitik seines Nachfolgers als Vorsitzender der israelischen Arbeitspartei ausgedrückt, und sich als "Kandidat der Friedensbewegung" ins Spiel gebracht.
Der 77-jährige Peres war von 1984 bis 1986 und von Ende 1995 bis 1996 Ministerpräsident. Peres hat zwischen 1977 und 1996 fünfmal als Spitzenkandidat der Arbeiterpartei Parlamentswahlen verloren. 1995 hatte er mit dem damaligen israelischen Regierungschef Jizchak Rabin und Palästinenser-Präsident Jassir Arafat den Friedensnobelpreis erhalten.