Israel Scharon sucht nach Partnern
Jerusalem - Ariel Scharon hatte der Arbeitspartei von Ehud Barak unmittelbar nach dem Feststehen seines Sieges ein Koalitionsangebot gemacht, das Barak jedoch spontan ablehnte. Es wird damit gerechnet, dass Scharon nun zunächst eine Koalition aus ultraorthodoxen und rechts stehenden Parteien bilden wird. Für die Regierungsbildung hat er nach israelischem Recht 45 Tage Zeit. Die Frist beginnt jedoch erst nach der Bekanntgabe des amtlichen Endergebnisses der Wahl, das für den 14. Februar erwartet wird.
Scharon hatte Barak bei der Wahl am Dienstag mit 62,5 zu 37,5
Prozent der abgegebenen Stimmen vernichtend geschlagen. Barak
erklärte zwei Stunden nach Bekanntgabe der ersten Computerprognosen
am späten Abend seinen Rückzug aus der Politik. Er bleibt jedoch
zunächst Übergangsministerpräsident bis zur Vereidigung des Kabinetts
Scharon. Sollte dieser innerhalb der Frist nicht in der Lage
sein, eine Regierung zu präsentieren, muss ein neuer Regierungschef
gewählt werden.
Die israelische Tageszeitung "Haaretz" berichtete, Scharon werde voraussichtlich bereits im März zu ersten offiziellen Kontakten mit der US-Regierung nach Washington reisen.
Auf arabischer Seite stieß die Wahl Scharons auf Kritik. Der palästinensische Informationsminister Jassir Abd Rabbuh nannte die Wahl Scharons das "dümmste Ereignis in der Geschichte Israels". Scharons harte Haltung werde den Friedensprozess zerstören.
Palästinenserchef Jassir Arafat gab sich gemäßigt. Er hoffe auch nach Scharons Sieg auf eine Fortsetzung des Nahost-Friedensprozesses. Der palästinensische Unterhändler Sajib Erekat rief Scharon auf, die seit 1967 anhaltende Besetzung des arabischen Ostteils Jerusalems zu beenden. Der libanesische Informationsminister Ghasi al-Aridi sagte, die Wahl Scharons zeige, dass sich die israelische Gesellschaft hin zu "Fanatismus und Extremismus" bewege. Er rechne mit einem militärischen Abenteuer Scharons gegen Libanon, Syrien und die Palästinenser.